Bayerns beste Arbeitgeber 2016: Echt jetzt?

Bayerns beste Arbeitgeber 2016: Echt jetzt?

Ein Kommentar von Christian Pape

Es wurde gewählt. Bayern hat entschieden. Bayerns beste Arbeitgeber 2016 stehen fest! Und 2017 wird in Kürze sicher auch wieder unerwartetes und revolutionäres hervorbringen. Zumindest wenn es nach GREAT PLACE TO WORK® geht.

Diese ultimative Top-Liste 2016 der „besten Arbeitgeber Bayerns“ –  gibt es HIER oder HIER.

Schaut man genauer hin, dann kommt gleich die erste Enttäuschung: Diese Liste ist gar kein Ranking, nicht nach einer Werte-Skala sortiert, sondern  – aha – alphabetisch aufgebaut : Adobe ist also weiter oben als Baramundi und Z ist … Z eben, wie Z-Promi.

Der Grund erschließt sich nicht sofort, erst wenn man genauer nachdenkt, dann lassen sich mögliche Motive und Rückschlüsse dafür herleiten, die wir aber nicht weiter kommentieren möchten.

Man könnte nun boshaft sein und fragen: „Was soll denn das Ganze dann, ausser natürlich, dass es den Veranstalter reich macht und das ganze Recherche Team nach erfolgreicher Veröffentlichung auf die Malediven fliegt? Wie repräsentativ ist diese Liste?“
Antwort: Garnicht.
Warum?
Nun, ganz trivial: 183 Unternehmen wurden untersucht, Einhundertdreiundachtzig. Allein in Bayern hat die IHK aber rund 213.000 Firmen in Ihrer Statistik.
Das sind satte 0,086 %. Wie man nun behaupten kann, „die Besten“ zu küren, wenn man nur 0,086 % der Unternehmen untersucht, bleibt ein großes statistisches Geheimnis.

Wer sind nun diese 183 Firmen, die man untersucht? Um bewertet zu werden muss man in erster Linie ein wesentliches Kriterium erfüllen: Man muss dafür zahlen, und das nicht zu knapp, im gut 5-stelligen Bereich.

Wenn man nun aber ordentlich bezahlt hat und dann aber nicht gut abschneidet im aktuellen Ranking, dann ist das nicht lustig und dann wird man sicher nächstes Jahr nicht noch einmal dafür bezahlen, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden. Man zahlt dafür, dass man als Arbeitgeberpfeife bezeichnet wird. Alphabetisch nicht gerankt in dieser ultimativen Liste. Ohrfeige. Selbst-Bashing. Das will man als Veranstalter solcher „Rankings“ natürlich nicht, denn sonst wären die Einnahmen rückläufig.

Also macht man die Siegerliste beliebig lang, man sortiert sie alphabetisch und man hat mehrere Listen mit unterschiedlichen Blickwinkeln parat, sodass jeder auf irgendeiner Liste sicher dabei ist. Und so gibt es Listen für Bayern, für andere Bundesländer, für verschiedene Unternehmensgrößen – Respekt vor diesem Ideenreichtum!

Interessant wäre es zu erfahren, wer denn die Loser sind, also quasi der Arbeitgeberabschaum – das wären ja dann 213.000 minus die 50 gekürten bayerischen Superhelden – da bleiben dann also 212.950 Firmen, die eine unterirdische Unternehmenskultur haben.

Gute Nacht Bayern.