Fachkräftemangel schreitet voran: Bis 2030 könnten drei Millionen Fachkräfte fehlen

Es wird eng mit Deutschlands Wirtschaft und dem anhaltenden Boom, wenn nicht bald gegen gesteuert wird. In Gesundheits­, Pflege- und technischen Berufen droht eine immer größer werdende Fachkräftelücke in Deutschland. Der Fachkräftemangel entwickelt sich dramatisch und ist eines der größten Herausforderungen der deutschen Wirtschaft für die Zukunft. Auch die Bundesregierung sieht inzwischen Handlungsbedarf.

Das zeigt ein vom Bundeskabinett verabschiedeter Bericht des Arbeitsministeriums und zeitgleich das Ergebnis des Basler Forschungsinstituts Prognos, das vor Kurzem neue Zahlen veröffentlichte: Bis 2030 werden danach in Deutschland drei Millionen Fachkräfte fehlen. Für das Jahr 2040 errechneten die Forscher einen Mangel von 3,3 Millionen Fachkräften.

Christian Pape, Top Headhunter in Deutschland prognostiziert: „Der Mangel an qualifizierten Fachkräften wird die größte Wachstumsbremse der deutschen Wirtschaft werden, von der vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen betroffen sein werden. Auch Start up Firmen werden nicht die Mitarbeiter bekommen die Sie brauchen, denn die Mehrheit will immer bei den „großen und bekannten Brands“ beschäftigt sein.

Einigen Berufsgruppen wird wenig Zukunft prognostiziert:  Sicherungs- und Überwachungstätigkeiten, auch Lastwagenfahrer und Packer müssen damit rechnen, dass ihre Arbeit künftig automatisiert, durch das Internet oder von Robotern und Automaten erledigt wird, gleiches gilt für Buchhalter, Kreditsachbearbeiter und Immobilienmakler. Durch den wachsenden internationalen Wettbewerb, geändertem Konsumverhalten und der Digitalisierung in fast allen Wirtschaftsbereichen werden viele angestammte Berufe nach und nach an Bedeutung verlieren.

Dagegen werde es schon 2020, stärker aber bis 2030 einen dramatischen Mangel an Managern, Forschern, Ingenieuren, Ärzten, Pflegern und medizinischen Assistenten geben, in geringem Umfang auch an Kreativen und Journalisten.

Als Grund für die wachsende Fachkräftelücke sehen die Verfasser der Studie vor allem die Überalterung der Gesellschaft. „Im Zuge des demografischen Wandels wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten zehn bis 20 Jahren erheblich verschärfen“, sagt Studienautor Oliver Ehrentraut. Dem Diplom-Volkswirt zufolge werde bis 2040 die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter um rund ein Zehntel sinken. Zudem schieden nach und nach die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben aus, heißt es in der Studie, deshalb würden die Fachkräfte über alle Branchen hinweg knapp werden.

Der Studie zufolge fehlen gleichermaßen Arbeitskräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung wie Kräfte mit einem Hochschulabschluss. Arbeitslosigkeit drohe unqualifizierten Arbeitern.

Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, fordert eine verstärkte Förderung des Handwerks. „Damit unsere Wirtschaft funktioniert, braucht es eine ausgewogene Balance von Facharbeitern und Akademikern“, sagte Schwannecke der Neuen Osnabrücker Zeitung. Berufspraktische Tätigkeiten müssten akademischer Bildung gleichwertig gegenübergestellt werden – auch finanziell. Weil aus einem Schuljahrgang beinahe zwei von drei Absolventen ein Studium aufnehmen würden, sei absehbar, dass „das Fundament aus berufspraktischen Arbeitnehmern, auf dem die deutsche Wirtschaft beruhe, nicht breit genug sein“ werde.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) nannte die Herausforderung der Fachkräftesicherung „riesengroß“ und betonte, dass Erwerbstätige unterstützt werden müssten, um mit den Veränderungen in der Arbeitswelt umzugehen. Eine gemeinsame Anstrengung aller Akteure sei erforderlich. „Stillstand und Nichtstun in Anbetracht des Wandels der Arbeit der Zukunft“ bezeichnete die Ministerin als grob fahrlässig.

Vorschläge für das dringend angemahnte Handeln enthält die Studie auch:

  • Vor allem die berufliche Ausbildung müsse gezielt gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Bei der akademischen Ausbildung habe sich dagegen viel getan.
  • Für Menschen im Berufsleben sei eine effektivere Weiterbildung erforderlich, die sie auf neue Jobs vorbereitet, welche mit dem Einzug des Internets in den Fabrikhallen entstünden.
  • Zudem sollte Frauen und Männern nach einer Familienpause die Rückkehr in das Erwerbsleben erleichtert werden.
  • Ältere sollten dazu motiviert werden, länger zu arbeiten.
  • Schließlich sollten Teilzeitkräfte dafür gewonnen werden, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu verlängern.