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    Zeugniskultur – Wie wichtig sind heute noch Arbeitszeugnisse?

    Zeugniskultur – Wie wichtig sind heute noch Arbeitszeugnisse?

    Pressemitteilung 26.3.2013

    Wer hat’s erfunden…? Wir Deutsche sind Weltmeister im Zeugnisschreiben. Aber wer liest sie noch? Haben sich Zeugnisse überlebt?

    Jahr für Jahr werden vor den deutschen Arbeitsgerichten mehr als 30. 000 Verfahren wegen Streitigkeiten rund um das Arbeitszeugnis geführt. Eine fürchterliche Zahl. Da müssen Heerscharen von Juristen über Formulierungen diskutieren: Darf dies rein, und wenn ja, wie ist es zu formulieren. Täglich entscheiden Gerichte hundertfach darüber, ob ein Arbeitszeugnis bei der Zustellung geknickt werden darf (übrigens: nein), ob der Mitarbeiter zur vollen, zu vollsten oder sonstwie Zufriedenheit gearbeitet hat und ob man sich, wie es sich gehört am Ende des Zeugnisses „verabschiedet“, das Fortgehen bedauert und ihm „alles Gute“ wünscht. Tut man das nicht, so wünscht man ihn nämlich „zum Teufel“.

    Wer nimmt Arbeitszeugnisse eigentlich überhaupt noch ernst? In vielen meiner Gesprächen mit Personalverantwortlichen bestätigt sich, dass die mit hohem Aufwand erstellten Arbeitszeugnisse oft gar nicht, oder wenn, nur flüchtig gelesen werden. Wenn also überhaupt, dann sind die darin erwähntendie Tätigkeitsbeschreibung interessant.

    Arbeitszeugnisse sind im anglo-amerikanischen Wirtschaftsraum nicht halb so wichtig sind wie in Deutschland, oft kennt man dieses Dokument dort nicht einmal. Es heißt dementsprechend auch „letter of recommendation“, „reference“ oder auch „testimonial“. Es gibt auch die so genannte „character reference“, die vor allem auf die persönlichen Qualitäten eines Arbeitnehmers eingeht. Bei allen Zeugnisarten gilt jedoch immer: Der Angestellte muss wegen eines Zeugnisses aktiv auf den Arbeitgeber zugehen und ihn um ein solches bitten. Ein Recht auf ein Arbeitszeugnis hat er nicht. Man legt wesentlich mehr wert auf Empfehlungen, und wenn man ehrlich ist, dann ist das auch die bessere Idee. Es wird doch sowieso nur noch gelogen, dass sich die Balken biegen. Aus diesem Grund legt man einem Bewerbungsschreiben in USA niemals ein Zeugnis bei. In der Regel wird man dort angerufen und am Telefon interviewt.

    Bei uns aber ist die Zeugniskultur inzwischen eine Farce, denn negativ darf nicht geschrieben werden, es sei denn, der pfiffige Personaler schafft es, dem Mitarbeiter subtil eine Botschaft mitzugeben, die er als solche nicht gleich erkennt. Wird die List erkannt, dann ist es aber vorbei mit der Personalerseligkeit. Dann gehts vor Gericht und meist muss dann das Zeugnis nachgebessert werden, denn es muss immer „wohlwollend“ formuliert sein. Also was soll das dann übehaupt noch? Viele Personalentscheider wissen das und messen entsprechend diesem Bürokratenfutter nur noch „rudimentäre“ Bedeutung zu.

    Mein Tipp an Sie: Legen Sie einer Bewerbung maximal Ihr letztes Arbeitszeugnis bei und legen Sie dort Wert darauf, dass alle Tätigkeieten, die Sie in dem Unternehmen geleistet haben, dort erwähnt sind.

    Legen Sie das Zeugnis immer einem Experten vor, damit Sie wissen, es ist ok und hat keine versteckten Botschaften („Er stand immer voll hinter uns“). Denn Negativ-Formulierungen sind immer noch ein Stolperstein, vor allem, wenn man nicht weiss, dass sie im Zeugnis enthalten sind.

    Legen Sie bei Ihrer Bewerbung Wert auf Referenzen und erwähnen Sie 2-3 Personen, die Aussagen zu Ihnen geben können. Informieren sie die Personen vorher. Referenzen zeigen Selbstbewusstsein und stärken Ihre Position bei einer Bewerbung.

    Christian Pape