Aus Active Sourcing wird Active Stalking. Personalsuche 3.0 degeneriert

Bodo mit dem Bagger fahndet jetzt 3.0 nach neuen Mitarbeitern

Wie unzählige Unternehmen derzeit am eigenen Leib erfahren, gestaltet sich die Suche nach dem passenden Personal trotz modernster Techniken, wie Internet-, Mobile-, Online-Recruiting, Active Sourcing und und und (…) doch schwieriger als es die „Erfinder“ und Befürworter dieser High-Tech-Recruitingmethoden wahrhaben wollen.

Woran liegt das, es soll doch jetzt alles so einfach sein, bunte Smarties fliegen überall durch die Jobluft, jetzt, da das Web regiert und Jobbörsen, Karrierenetzwerke, Matching-Software, Meta Jobcrawler und semantische Suchen für jeden alles leichter machen sollen? Ob Jobsucher oder Jobanbieter, die unerschöpflichen Weiten des Internets halten doch nun für jeden die passende Lösung bereit?

Warum zum heiligen Jogi suchen sich dann Jobsucher weiterhin den Wolf nach der richtigen Beschäftigung und holen sich eine Klatsche nach der Anderen? Warum klagen Unternehmen im Gegenzug weiterhin über das Fehlen von Fach- und Führungskräften an allen Ecken und Enden ihrer Organisation? Was läuft falsch im Hochtechnologieland Deutschland, dem Nummer Eins Jobmotorschlaaand,  dem Land mit dem weltweit größten Handelsplus?

Was Jobsucher alles falsch machen, darüber haben wir in unserem Blog hier viel veröffentlicht und geschrieben. Widmen wir uns nun den personal-suchenden Unternehmen.

In dem ersten Teil unserer Reihe beschäftigen wir uns mit :

Active Sourcing

recruiting

Active Sourcing = Active Stalking

Da ist er also: Der neue Hype-Begriff. Heisst: „Active Sourcing“.
Meint:
Unternehmen machen selbst im Internet aktiv Jagd auf neue Mitarbeiter. Sie beschäftigen eigene Recruiter, die nun „den Headhunter machen“ und Businessplattfomen in eigener Regie nach geeigneten Kandidaten durchforsten und dort per e-mail, internem Messenger oder automatisierten, kostenpflichtigen Tools wie einst Bodo baggern, was das Zeug hält.

Der Begriff propagiert den Trend weg vom alten „Post & Pray“-Zeitalter hin in die schöne neue Social-Media-Welt. Jetzt werden über Plattformen wie Facebook, XING oder LinkedIn von den Personalabteilungen der Unternehmen inflationär Massen-Emails versendet, um potentielle Kandidaten von einem Wechsel hin zum eigenen Unternehmen zu überzeugen.

Dieser Zugangsweg zu potentiellen neuen Mitarbeitern degeneriert aber mehr und mehr zu einem „Active Stalking“, da die so kontaktierten Personen zunehmend zurückhaltend auf diese Massenavancen von in dieser Rolle überforderten Personalern reagieren und zunehmend „nur noch genervt sind“.

salesDie Ansprache erfolgt meist nicht differenziert, halb-automatisiert, wenig wertschätzend für den so Angesprochenen, entbehrt jeglicher Vertraulichkeit und wird daher immer mehr als Spam gesehen. Personen in sicheren Jobs lassen sich so sicher nicht ködern, sie wollen auch nicht als Suchende „geoutet“ werden und werden der Konkurrenz auf diesem Wege sicher NICHT ihre persönlichen Daten zuspielen.

XING ist unbestritten der deutschsprachige Marktführer unter den sozialen Netzwerken. Im Gegensatz zu Facebook, das zunehmend in ein Onkel und Tanten Netzwerk mutiert, hält XING ein reichhaltiges Repertoire für einstellungswillige Unternehmen parat.

Zudem wirbt XING mit dem hauseigenen „Talent Manager“, der das Suchen, Finden und Kontaktieren von geeigneten Kandidaten erleichtert, dafür auch richtig ans Portemonnaie geht. Einige Hundert Euros und gerne mehr muss man dafür dann schon investieren. Und dann gibt es noch den XING Butler, den XING Visitor, ja was denn noch alles, um jedem Netzwerker, der auf XING ambitioniert einfach nur „Netzwerken“ will – endgültig den Garaus zu machen.

Man erreicht mit solchen Methoden also eigentlich nur die „Jobsucher“ (die erreicht man aber auch anders, wenn man sie haben will) , nicht die „erfolgeich Beschäftigten“, die nur zu dem Urzweck dieses Business Netzwerkes dort präsent sind.
Und daher Vorsicht XING (!): Entwickle dich nicht zu einer Jobbörse, dann wirst du deine wertvollsten Mitglieder schneller wieder verlieren als du sie gewonnen hast. Denn die sind nicht in XING, um permanent angegraben und mit Email-Offerten und Job-Werbung zugebombt zu werden.

In diesem Kontext finden wir das, was Jean Reno in dem Krimi „Leon der Profi“ gesagt hat zunehmend nicht nur sympathisch sondern treffend:

„If you want a job done well, hire a Professional!“

Ein unstrukturiertes Suchen von Halb-Automaten, um das wichtigste Gut in einem Unternehmen für sich zu gewinnen – nämlich die geeigneten Mitarbeiter,  sollte man tunlichst unterlassen und nicht jedem Hype Glauben schenken. Sorgfältig auswählen, wie man diese erfolgreich recruitiert, ist ein Muss – sonst erhält man das, was ein anderes Bonmot aussagt:

If you pay peanuts you get monkeys…