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Bewerben richtig falsch gemacht

Bewerben richtig falsch gemacht

Bewerben richtig falsch gemacht 150 150 Christian Pape

Christian Papes Kolumne:

Bewerben richtig falsch gemacht

cpfreiEs ist noch nicht solange her, da habe ich in der Süddeutschen Zeitung geschrieben: „80% aller Bewerbungen sind Schrott.“ Zugegeben: Schon etwas sehr provokant, aber eben leider auch sehr wahr. Immer noch. Ich hatte gehofft, dass diese deftigen Worte ein wenig anregen, etwas mehr Feinfühligkeit in den Bewerbungsvorgang zu bringen und etwas mehr zu überdenken, warum und wie man sich auf eine Jobausschreibung bewirbt.

Aber die nicht so gute Nachricht ist: Der Trend ist leider ungebrochen! Sag ja zur Tonne, in die am Liebsten die gegeisselten Recruiter und Empfänger dieser zweifelhaften Botschaften die meisten der ankommenden Bewerbungen treten möchten.

„Jeder, der einen fertigen Lebenslauf hat und einen Job sucht, verteilt seinen CV wie eine Pusteblume überall hin“ könnte man es zusammen fassen. Ob ungefragt, am Thema vorbei, ob Briefbombe oder Splitterbombe, selbst erfundene neue Rechtschreibung, jammervolle Anschreiben oder einfach nur öde zusammengeklebter Einheitsbrei aus dem Bewerbungshandbuch für Fortgeschrittene – was so alles in eine Bewerbungs-E-Mail gepackt wird grenzt manchmal wirklich an Körperverletzung und treibt auch den abgehärtetsten Leser irgendwann zur Vorsorgeuntersuchung.

Für mich ist das manchmal #CVgate. Nach #NoStartButtonGate, #Bendgate, #Lewinskygate und #Nippelgate nun #CVgate. Hinter dem Horizont sollte es ja eigentlich weitergehen, aber manchmal geht es weit über diesen hinaus und bleibt immer noch unfassbar. Und manchmal denke ich mir: Das ist Absicht. Das ist alles so gewollt, der perfekte Mord, Candid Camera oder nur, um den Leser in den Wahnsinn zu treiben. Alles schön verpackt in harmlos aussehende E-Mails.

Welche Stilblüten, welche literarischen Ergüsse, völlig sinnlos und zusammenhanglose Dokumente über das Sein oder nicht Sein des Absenders so alles auf E-Mail Weltreise gehen – selbst die NSA wendet sich da ab und zieht den Stecker freiwillig.

Man bewirbt sich. Man wirbt doch für sich. Wie oft war ich kurz davor, eine erhaltene Briefbombe einfach zurück zu schicken unter dem Motto: So und jetzt lies DU doch mal … deine 15 MB Lebenslauf-Wahnsinn, verpackt in einer E-Mail mit 18 Anhängen, vom Excel Halbtageskurs bis zum Ergebnis des letzten Psychotestes (der soweit in Ordnung war), vom Grundschulzeugnis, Impfpass bis hin zum Marathon-Anschreiben, in dem beteuert wird, dass man sich leider bewerben muss, weil sein jetziger Arbeitgeber einfach untragbar geworden ist. Genau das wollte ich hören. You made my day!

Das macht Stimmung. Und im Adressfeld steht eine ganz andere Firma. Wie beim ersten Date, bei dem man die Angebetete mit dem falschen Vornamen anspricht. Peinlicher gehts nicht. Und aus diesem „Werk“ soll der freundliche Recruiter von Nebenan jetzt herauslesen, ob und warum er/sie nun perfekt auf die Position passt, die er gerade zu besetzen hat.

Diese Erfahrung aus unserem „Tagesgeschäft“ war Motivation genug, die wichtigsten Go’s und NoGo’s nochmal zusammen zu fassen. Und ich bin ehrlich: Viele der Werkzeuge und Ratgeber, die im Markt angeboten werden, sind aus meiner Sicht unsinnig und wenig hilfreich. Lassen Sie die Finger von Bewerbungsautomaten, Standardschreiben und leider auch den meisten Bewerbungsratgebern. Sie verkaufen alle Standards und das ist genau das, was Ihnen NICHT hilft.

Lassen Sie uns nun sachlich werden und den „Ironiemode OFF“ schalten , ich möchte niemanden beleidigen, sondern aufrütteln, anregen und konstruktive Hilfestellungen geben.

Jede Bewerbung, die Sie versenden, ist immer ein individuelles Werk, bezogen auf einen konkreten Fall!

(Und das meint nicht nur den Empfänger und Copy & Paste des Jobtitels)
[pullquote align=“left“]“Der Sinn einer Bewerbung…
…ist es, positiv auf sich aufmerksam zu machen, als DER Bewerber, der ideal auf eine Position passt und damit alle Konkurrenten aussticht. Da hilft eine Wurfsendung wenig, da muss inhaltlich und von der Form her aufmerksamkeitsstark gearbeitet werden!“[/pullquote]

Eine Bewerbung ist ein Verkaufspapier und SIE sind das Produkt. Kauf mich soll da drauf stehen, und zwar für genau die Position, für die man sich bewirbt.

Was es NICHT nicht: Es ist keine Biographie, in der alles, was Sie sind und erlebt haben, nun in langatmige Seiten zu pressen ist und der Leser soll herausfinden, was davon für die Position relevant ist, auf die Sie sich bewerben. Seien Sie versichert: Er wird es nicht tun. Garantiert nicht. Er hat weder die Zeit noch die Lust, noch findet er es besonders spannend, wenn er noch 30 andere Lebensläufe auf seinem Stapel für heute durchzuarbeiten hat.

Also weniger ist mehr, denn je mehr Sie schreiben, umso mehr können Sie auch falsch machen und sind am Thema vorbei. Sie müssen vorher genau wissen, was gefordert ist und dann Ihre Bewerbung an diese Anforderungen anpassen. Wie erfahren Sie das: Indem Sie die Anzeige sorgfältig studieren oder noch besser – dort anrufen und die Schlüsselanforderungen nochmals erfragen.
Sie müssen also vorher genau wissen, was in dem Job gefragt ist, welche Aufgaben anstehen und wie der ideale Kandidat für die Stelle aussieht. Und darauf gilt es Bezug zu nehmen.

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Der Kardinalfehler:
Die meisten Bewerber stellen ihre Unterlagen nach dem immer gleichen Schema zusammen, ohne zu überlegen, ob das den Kern der Anforderungen überhaupt erfüllt. Sie bieten jedes Mal die „komplette Speisekarte“ von ihrem beruflichen Tun an und erwarten, dass der Leser sich das, was er braucht, selbst zusammenbastelt. Aber genau das funktioniert nicht, und wenn, dann werden unter Umständen die falschen Schlüsse daraus gezogen und zum Nachteil des Bewerbers fehlinterpretiert. Also muss man selbst dafür sorgen, dass die richtigen Schlüsse gezogen werden und das geht nur, wenn man die Talente und Erfahrungen auf den konkreten Fall anpasst, gegenüber stellt und herausarbeitet.

Der Bewerber muss dem Leser das Denken abnehmen, mussen die Analogien ziehen und dazu konkrete Beispiele aus seiner Praxis nennen.[/box]

Das ist eine Kunst, ja. Und es ist auch Aufwand, ja klar. Aber ich garantiere: Es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Denn nur dann hat man eine Chance. Und zwar eine sehr Gute. Also nicht Quantität, sondern Qualität, lieber bewirbt man sich auf weniger Positionen und dafür dann aber richtig gut. Der Leser will sehen, dass man sich mit der Stelle auseinander gesetzt hat und sich Mühe gemacht hat und nicht dass sie ihm eine Standard-Massenwurfsendung präsentieren.

Schauen Sie, was eine Bewerberin gemacht hat, um unbedingt den Job zu kriegen:

Der Standard-Lebenslauf ist somit Käse, vergessen Sie es, falls Sie ihn noch in irgendwelchen Ratgebern finden. So wird das nichts mit dem Traumjob.

Ist Ihr CV im Grundsatz für ein Unternehmen passend und die Arbeit, die Sie sich gemacht haben, ordentlich, dann wird der Leser Sie eventuell für andere Vakanzen im Auge behalten. Geben Sie aber einen insgesamt inkompetenten Le- benslauf ab und zeigen damit, dass Sie sich weder mit der Aufgabe noch mit der Firma beschäftigt haben, dann sind Sie gänzlich draußen und brauchen sich keine Hoffnung machen, eventuell für andere Vakanzen berücksichtigt zu werden.

Sie hoffen, der Recruiter wird sich schon selbst das Richtige für sich rauspicken? Falsch. Tut er nicht. Der Mensch an sich ist träge. Sorry Recruiter.  Er wird sich meist nicht die Mühe machen, in Ihrer Vita nach passenden Indizien zu kramen. Das müssen Sie schon selbst tun, denn wer kennt Sie besser als Sie sich selbst? Sie laufen sonst große Gefahr, dass er schnell die Lust an Ihnen verliert, weil ihm das alles zu egozentrisch ist und nicht das, was ihn interessiert.

Also tun Sie jedem den Gefallen und übernehmen Sie die Aufgabe, die passenden Argumente zu finden. Das ist Ihr Job! Sie lassen damit auch keinen Raum für Interpretationen und Fehlschlüsse. Wenn Sie sich zum Beispiel auf einen Ver- käuferjob bewerben, dann stellen Sie Ihre Verkaufsfähigkeiten in den Vordergrund. Suchen Sie Beispiele in Ihren Er- fahrungen und bringen Sie diese zur Geltung. Beispiele sind immer besser als hypothetische Statements. »Ich wäre, ich würde, ich möchte« – das ist katastrophaler Konjunktiv und gehört nicht hierher. Niemanden interessiert es, was Sie hätten, wenn Sie würden, falls Sie könnten.

Zusammenfassend die wichtigsten Go’s und NoGo’s:

  • Verschicken Sie immer nur EINE Datei, stellen Sie sich vor, der Leser muss das alles wieder zusammen basteln, alles auf seinen PC Desktop laden, um dann mühselig herauszufinden, was wohin gehört.
  • Verschicken Sie keine Zip Datei, schon gar nicht ohne Anschreiben. Denn hier geht jeder von SPAM oder einem Viruspaket aus und da Ganze wandert direkt in den SPAM Ordner.
  • Verschicken Sie keine Briefbomben, nie mehr als 5 MB als Fausformel
  • Grafische Ergüsse: Sind schön, aber oft unpraktisch. Denn sie müssen von sogenannter „Parsing-Software“ gelesen werden können. Viele Firmen arbeiten inzwischen damit, um aus den Bewerbungen die Texte automatisch umzuwandeln. Verwenden Sie auch keine Scans, die sind nicht gut umzuwandeln und t „schützen“sie Ihre Dokumente auch nicht. Warum auch.
  • Verwenden Sie generell nie negative Formulierungen im Anschreiben, wie: „Ich muss mich verändern“, „Ich bin arbeitslos“, „Ich bin auf Jobsuche“. Das erzeugt nur eine negative Vorspannung. Der Leser will schon wissen, warum Sie sich bewerben: Ja, aber nicht, dass Sie MÜSSEN, weil Ihnen nichts anderes übrig bleibt. Seien Sie also immer positiv und erklären Sie lieber, warum Sie genau die Stelle besonders reizvoll finden und warum Sie genau darauf perfekt passen.
  • Setzen Sie sich mit der Stelle auseinander. Unbedingt und beziehen Sie Ihre Bewerbung darauf. Erklären Sie anhand der Top-Drei Anfoderungen, warum Sie dafür geeignet sind.
  • Versenden Sie nie immergleiche Bewerbungen. Der Leser will sehen, dass Sie sich mit dem Stelle auseinander gesetzt haben und keine Massenwurfsendung „an alle und immergleich“ verschicken. Das ist nebenbei auch respektlos.
  • Bedenken Sie: Jede Bewerbung ist für den Empfänger Arbeit. Er muss sie lesen, sortieren, Dateien laden und öffnen, sich damit auseinander setzen, sie parsen, ein Schreiben verschicken, sie ablegen, löschen, absagen, den Empfang bestätigen uvm. Machen Sie ihm die Arbeit nur, wenn es für ihn Sinn macht, nicht, weil Sie einfach nur denken: Schaun mer mal. Sonst sind Sie raus, weil der, dem sie die Arbeit machen, sich nur über Sie ärgert, warum sie eine sinnlose Bewerbung an ihn verschicken, die schon vom Grundsatz her nicht passen kann. Dann sind Sie für alle Zeiten bei ihm „raus“.
  • Sie müssen in Ihrer Bewerbung erklären, warum Sie passen, nicht der Leser soll das in Ihrem CV herausfinden, indem Sie alles über sich berichten.
  • Vermeiden Sie lange Texte und Beschreibungen, Dissertationen, exotische Jobtitel, die überhaupt nichts mit der Stelle zu tun haben. Halten Sie immer Bezug zu den Anforderungen.
  • Vermeiden Sie zu viele Kursbescheinigungen, sonst laufen Sie Gefahr, als trainigsgeil eingestuft zu werden. Nur was unbedingt passt, sollte wohl dosiert mit hinein, aber vorher gut überlegt sein.
  • Auch Grundschulzeugnisse, zu viele Bescheinigungen über Prakika …. übertreiben Sie es damit nicht. Weniger ist mehr, bleiben Sie übersichtlich mit dem, was Sie präsentieren
  • Vermeiden Sie „Statements“, die die Welt verbessern sollen, also Mottos die sie haben. Was soll dieser Unsinn?
  • Vermeiden Sie Plattitüden und gängige Texte aus Standard-Bewerbungshandbüchern. Unbedingt. Eine Bewerbung ist nur dann gut, wenn sie herausragt, auffällt. Und das tut sie nicht, wenn Sie nur mit Worthülsen arbeiten, die überall stehen.
  •  Fotos: Lassen Sie ein schönes Foto von sich machen. Investieren Sie hier in einen Fotografen, es lohnt sich. Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte, auch wenn die Gesetze sagen: Das brauchen Sie nicht. Fehlt ein Fotos denkt man immer: Sieht derjenige wirklich so schlimm aus?
  • Verschweigen Sie nichts, auch nicht Ihr Geburtsdatum, es kommt sowieso raus und warum auch, Sie schüren nur Misstrauen.
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Christian Pape

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