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Brainteaser

Faktenlage, Sinnhaftigkeit und Lösungsansätze

Sie gelten als die Königsdisziplin in Bewerbungsprozessen: Die Brainteaser. Mit kniffligen Fragen wollen Personalverantwortliche Kandidaten auf die Probe stellen.

Inhalt:

Die Faktenlage
Was sind Brainteaser eigentlich?
In welchen Unternehmen wird diese Methode beim Vorstellungsgespräch angewandt?
Welche Fähigkeiten werden damit getestet?
Welche Arten gibt es?
Wie sollten Sie vorgehen und was sollten Sie vermeiden?

Diese Fragen möchten wir genauer erläutern, damit man gut vorbereitet in jedes Vorstellungsgespräch gehen kann.

brainteaser
  • „Sagen Sie mal, wie schwer ist eigentlich Manhattan?“
  • „Erklären Sie doch einmal einem Blinden die Farbe Lila!“
  • „Können Sie uns erklären, wieviele Smarties in einen Smart passen?“
  • „Wie viele Katzen gibt es in Deutschland?“

Die Faktenlage

Zunächst stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Brainteasern, die Aussagekraft für Unternehmen und wie kommt es bei den Bewerbern an (Candidate Experience), wenn solche Brainteaser-Fragen gestellt werden? Hierzu ein paar Fakten:

Befragt wurden im Juli 2021 insg. 3.500 Personen:
89% der Bewerber sprechen sich gegen die Verwendung von Brainteasern aus und halten sie für unangebracht.
81% finden, dass die Unternehmen sich damit selbst disqualifizieren, es ihrem Ruf schadet, sie teils sogar als narzisstisch und sogar sardistisch bezeichnet werden.
51% möchten bei so einem Unternehmen nicht arbeiten.
26% bereiten sich für ein Vorstellungsgespräch auch darauf vor, das Brainteaser eingesetzt werden könnten.

Die jüngsten Studien der PAPE Consulting Group und des PAPE Labs ergeben also, dass die Verwendung von Brainteasern in Bewerbungsgesprächen auch dem Ruf des Unternehmens schaden können. Einstige Vorreiterunternehmen wie Microsoft, Google und Facebook, die jahrelang auf Brainteaser gesetzt haben, sind nicht nur davon abgekommen, sondern sprechen sich heute klar dagegen aus. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie nach wie vor eingesetzt werden.

Der Arbeitsmarkt hat sich unter anderem durch die demographische Entwicklung gewandelt – das statistische Bundesamt liefert dazu die entsprechenden Zahlen. Da nun die Bewerber im Vordergrund stehen,  ist die Arbeitgeberattraktivität (vergleiche Studie Universität St. Gallen) somit ganz wesentlich für eine berufliche Entscheidung. Hier sammeln also Unternehmen, die Brainteaser in Interviews einsetzen, erhebliche Minuspunkte. Andere Untersuchungen räumen ein, dass Brainteaser durchaus eine potenzielle Validität bei der Vorhersage der beruflichen Eignung haben – allerdings nur dann, wenn die Entwicklung, Formulierung und Auswertung der Brainteaser strukturiert und objektiv erfolgt und sich an vordefinierten Anforderungsprofilen orientiert. (Dr. Martin Kersting 2012).

89
89% der Bewerber sprechen sich gegen die Verwendung von Brainteasern aus und halten sie für unangebracht.
83
83% finden, dass die Unternehmen sich damit selbst disqualifizieren, es ihrem Ruf schadet.
51
51% möchten bei so einem Unternehmen nicht arbeiten.
26
26% bereiten sich für ein Vorstellungsgespräch auch darauf vor, dass Brainteaser eingesetzt werden könnten.

Brainteaser – Definition

Das Cambridge Dictionary beschreibt einen Brainteaser als: „a problem for which it is hard to find the answer, especially one which people enjoy trying to solve as a game“. Im Deutschen kann man dazu auch „Gehirnherausforderer“ sagen.

Im Rahmen von Bewerbungsgesprächen oder Assessment Centern werden den Kandidaten Rätselaufgaben gestellt, die es zu lösen gilt. Das allgemeine Ziel dabei ist es, den Bewerber in seinen Fähigkeiten zu testen. Meistens sind es analytische oder logische Aufgaben, bei denen der Weg das Ziel ist. Es kommt also nicht so sehr darauf an, die richtige Antwort zu kennen, sondern den logischen Weg zur Antwort zu beschreiben.

Wo sollten Sie mit Brainteasern rechnen?

Um sich bestens darauf vorzubereiten, sollten Sie sich darüber bewusst sein, in welchen Unternehmen oder bei welchen Positionen Ihnen Brainteaser begegnen können. Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn in der Stellenausschreibung selbst schon viel Wert daraufgelegt wird, dass ein analytisches und logisches Denkvermögen gefordert wird. Sollte dies bei den Anforderungen gleich zu Beginn stehen, so stehen die Chancen sehr gut, dass solche „Gehirnkitzler“ im weiteren Bewerbungsprozess zur Geltung kommen. Die zu besetzenden Positionen sind dabei breit gefächert. Es geht vom Controlling über das Management bis hin zu Vakanzen in der Informatik. Bei Unternehmensberatungen, Banken, Hochschulen oder Organisationen, die Stipendien anbieten, sind Brainteaser auch sehr beliebt.

Welche Fähigkeiten wollen die Personaler damit testen?

Das ist eine der wichtigsten Fragen. Wenn Sie wissen, welche Absicht hinter diesen Fragen steckt, können Sie diese leichter beantworten.

Wie schon erwähnt, wollen die Unternehmen damit das logische und analytische Denken testen. Dabei möchten die Personaler wissen, wie der Kandidat an die komplexen Aufgabenstellungen herangeht. Das Ziel dabei ist es, dass der Bewerber in einen Dialog mit den Interviewern tritt und so in Teilschritten seinen Weg zur richtigen Lösung erklärt.

Eine weitere Fähigkeit, die damit getestet wird, ist die Stressresistenz. Meistens erkennt das Unternehmen erst viel später, wie der Kandidat auf stressige Situationen reagiert. Mit scheinbar unlösbaren Aufgaben kann man dies schon einmal testen. Damit möchten Personaler erfahren, wie Kandidaten herausfordernde Aufgaben im Alltag meistern.

Auch die Problemlösungsfähigkeit ist ein beliebtes Testobjekt in Bewerbungsgesprächen. Sollten sich Kandidaten von Beginn an vor Problemen verschließen, signalisieren diese, dass sie Herausforderungen scheuen. Sind sie dagegen offen und versuchen Lösungsansätze zu finden, beweist das, dass für ihn Probleme keine Hindernisse für erfolgreiche Projekte sind.

Wenn die Kandidaten für die Brainteaser unkonventionelle Lösungsansätze vorschlagen, beweist dies, dass sie kreativ sind und in der Lage sind, quer zu denken. Wege abseits gewohnter Pfade scheinen für diese Bewerber nichts Ungewöhnliches zu sein.

Normalerweise geht es hierbei nicht darum, Fachwissen zu prüfen. Ein gewisses mathematisches Grundverständnis jedoch hilft die Fragen richtig zu beantworten. Je nach Stellenposition müssen Sie aber auch Ihre Fachkenntnisse unter Beweis stellen.

Welche Brainteaser-Arten gibt es?

Mithilfe von Logikaufgaben werden die logischen und analytischen Fähigkeiten überprüft. Damit zeigt sich, ob sich die Kandidaten schnell in unbekannte Probleme hineindenken können und wie komplexe Aufgaben gelöst werden.

Personalberater BranchenexpertiseFür die „Trial-and-Error“-Probleme gilt folgendes: Der Kandidat soll hier verschiedene Wege gehen, um an das Ziel zu gelangen. Hier wird getestet, wie Bewerber mit Fehlern und Niederschlägen umgehen. Auch beantwortet sich dabei die Frage: Sind sie bereit, sichere Wege zu verlassen, um die Lösung zu finden. Sind die Kandidaten also in der Lage, Probleme zu lösen?

Die Herausforderung beim „Outside-the-box“-Rätsel ist es, unter Zeitdruck kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Somit werden Probleme aus einer neuen Perspektive betrachtet. Hier wird unter anderem das Augenmerk auf die Kreativität und die Stressresistenz des Bewerbers gelegt.

Mit Schätzfragen wollen die Personaler wissen, wie strukturiert ein Kandidat denkt und welche Schritte er bis zur Lösung geht. Dafür sind sowohl ein logisches Denken als auch eine gewisse Problemlösungskompetenz erforderlich.

Das mathematische Verständnis wird oft im Controlling, der IT oder der Finanzdienstleistungsbranche in den Vordergrund gerückt. Die strukturierte Analyse der Fragen und Lösungen ist dabei wichtig. Sind die Kandidaten auch hier bereit, neue Wege zu gehen?

Tipp: Üben Sie das Umrechnen von Einheiten. Ebenso beliebt sind Fragen rund um elementares Physikwissen, wie das Berechnen von Geschwindigkeiten oder einer Strecke bei einer konstanten Bewegung.

Vorstellungsgespräch bei Apple

Vorgehensweise bei Brainteasern

Lassen Sie sich nicht von unlösbaren Aufgaben beeindrucken und bewahren Sie die Ruhe. Somit können Sie auch in diesen kniffligen Situationen des Bewerbungsprozesses von sich überzeugen.

Zuerst sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass es in den seltensten Fällen bei den Brainteasern um eine korrekte Antwort geht. Der Lösungsweg ist dabei das entscheidende Kriterium.

Sollten Sie mit Brainteasern konfrontiert werden, ist es wichtig, diese entweder mit höchster Konzentration zu lesen oder aufmerksam zuzuhören. Bei Verständnisproblemen ist es wichtig, gezielte und kluge Fragen zu stellen.

Mit folgenden Fragen können Sie sich orientieren, wie Sie am besten antworten:

  1. Welche Art von Brainteaser liegt vor?
  2. Um was geht es in der Frage?
  3. Was soll herausgefunden werden?
  4. In welchen Kontext ist die Aufgabe eingebettet?

Sollten Sie Vorbereitungszeit dafür haben, ist es durchaus sinnvoll, sich Notizen über den Lösungsweg zu machen. Wenn Sie allerdings gleich in medias res gehen müssen, ist es sinnvoll, sich ein Whiteboard oder Flipchart zur Hilfe zu nehmen.

Bei komplexen Aufgaben hilft es, zunächst in Stichpunkten die Aufgabenstellung zu notieren. Sollten Sie gerne mit Tabellen, Diagrammen oder Zeichnungen arbeiten, lassen Sie auch das durchaus mit einfließen. Dies alles hilft, Ihre Vorgehensweise und Denkweise zu verstehen. Mithilfe einer nachvollziehbaren Argumentation präsentieren Sie nun Schritt für Schritt ihre Lösungsansätze. Bei Problemen in den Lösungsansätze können Sie diese offen ansprechen und diese argumentieren. Im ganzen Prozess sollten Sie dabei den Dialog mit den Personalverantwortlichen nie aus den Augen lassen.

Wenn es mehrere Wege gibt, die Sie präsentiert haben, sollten Sie sich am Schluss für einen Ansatz entscheiden und dies gut begründen.

Tipp: Sie sollten allerdings nie einen bekannten Brainteaser beantworten, sondern nach einer Alternative fragen. Personaler erkennen, ob die vorgetragenen Lösungen erlernt sind oder Lösungswege gerade entwickelt werden. Falls Sie bekannte Brainteaser beantworten, könnten Sie sich somit ins eigene Fleisch schneiden.

Mit diesen 10 Tipps kommen Sie zur besten Lösung:

  1. Stellen Sie sich das Problem bildlich vor.
  2. Haben Sie keine Angst vor der Komplexität der Aufgabe.
  3. Meistens müssen Sie um die Ecke denken. Die naheliegende und einfache Lösung ist meistens falsch.
  4. Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Informationen in der Aufgabenstellung.
  5. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
  6. Lösen Sie sowohl mit einer analytischen Denkweise als auch mit Ihrem gesunden Menschenverstand.
  7. Gehen Sie schrittweise und strukturiert vor.
  8. Dokumentieren Sie den Lösungsweg inklusive Zwischenlösungen. Erklären Sie dabei jeden Schritt nachvollziehbar.
  9. Sollten Sie Probleme haben, die Lösung zu finden, gehen Sie in möglichst kleinen Schritten vor. Überprüfen Sie Annahmen, um daraus Hypothesen zu entwickeln.
  10. Sehen Sie den Brainteaser nicht als Pflichtaufgabe, sondern als Spaß an der intellektuellen Herausforderung.

Was Sie vermeiden sollten

Neben der Vorgehensweise gibt es auch einige Dinge, die Sie bei den Brainteasern vermeiden sollten.

  1. „Das verstehe ich nicht.“ Oder „Brainteaser liegen mir nicht.“ Stellen Sie sofort ins Aus. Zeigen Sie sich motiviert, diese Herausforderung zu meistern und eine Lösung für die Problemstellung zu finden.
  2. Wenn Ihnen die Lösungsfindung schwerfällt, bleiben Sie trotzdem am Ball und versuchen Sie eine Lösung zu finden. Damit wird den Personalverantwortlichen Ihr Durchhaltevermögen aufgezeigt.
  3. „Das ist aber unvollständig.“ Oder „Ich brauche dazu mehr Informationen“. Solche oder ähnliche Aussagen sollten Sie grundsätzlich vermeiden, denn ein Brainteaser enthält grundsätzlich ausreichende Informationen für den Lösungsweg.
  4. Versuchen Sie nicht, die Aufgabe als fehlerhaft darzustellen. Jeder Brainteaser ist lösbar.

Wir haben Ihnen verschiedene Brainteaser mit Lösungsansätzen zur Verfügung gestellt. Die Lösungsansätze erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie können damit gerne üben, lernen Sie aber die Antworten nicht auswendig, wie wir Ihnen schon früher nahegelegt haben.

Extra-Tipp:

Sie können kommen und sie werden kommen. Die „wirklich miesen“ Fragen im Vorstellungsgespräch, die Sie als Person „knacken“ und aus der Deckung locken sollen. Hier finden Sie alles Wichtige darüber.

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