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    Der Tick mit dem Äääh und wie Sie sich das abgewöhnen können

    Der Tick mit dem Äääh und wie Sie sich das abgewöhnen können

    Der Tick mit dem Äääh und wie Sie sich das abgewöhnen können 1280 854 Christian Pape

    Der Tick mit dem Äääh und wie Sie sich das abgewöhnen!

    Christian Pape. Headhunter Blog

    Christian Pape, CEO, C-Level Headhunter

    „Also, äääähm, ich will mal so sagen, es ist äääh … echt anstrengend, mir öööhm … selbst zuzuhören. Genau!“

    Warum machen wir das? Warum füllen wir Stille mit stimmhaftem Gedankenleerlauf? Sind das Denkgeräusche? Sprechdiarrhö? Warum öööhmen wir uns um Kopf und Kragen? Ob der CEO bei der Vorstellung in einem Seminar, der erfahrene Redner vor einer großen Gruppe … keiner ist dagegen gefeit.

    Sprachwissenschaftler erklären das so: Das „Äh“ hat oft die Funktion, dem Zuhörer mitzuteilen, dass es gleich weitergeht – nur wisse der Redner gerade nur noch nicht so genau, wann und wie. Es kommt also noch was und man will nicht, dass einem jemand anderer ins Wort fällt, weil der Andere denkt, man ist durch.
    „Man hat noch nicht fertig“, sondern benötigt nur eine kleine Atem- und Denkpause. Dieses Stilmittel des dann „ääähmens“ macht manchmal durchaus Sinn und erfüllt eine wichtige Funktion, wenn man in einer Gruppe diskutiert und das Rederecht behalten will.

    Der Tick mit dem Äääh und wie Sie sich das abgewöhnen könnenAls Redner oder in einem Interview, wenn man sowieso die Aufmerksamkeit hat, ist es aber gänzlich unpassend. Es schwächt die Nachrichten, die transportiert werden sollen und lenkt vom inhaltlichen der Aussagen ab. Man verwirrt die Zuhörer, wirkt unsicher und verpeilt. Die Aufmerksamkeit wird eher auf das: „Wann kommt das nächste Ääähm“ als auf den Inhalt der Aussage gelenkt und bei einem Füllwort-Tsunami wird es irgendwann richtig komisch.

    Rund um den Globus gibt es ganz unterschiedliche Arten, die Sprachpausen zu füllen. Man nennt diese Angewohnheiten auch Hesitationen oder Verzögerungslaute. In Großbritannien sagen die Menschen „uuh“, die Türken neigen dazu, phantasievoll  „mmmm“ zu sagen und Japaner „eto“ und „ano“. In Spanien ist es üblich „esto“ oder „entonces“ zu sagen, die Franzosen murmeln verliebt “euh“  (gesprochen: öh), in Mandarin wird „neige“ (NEH-guh) und „jiege“ (JEH-guh) verwendet. Holländer und Deutsche sagen in der Regel „äh“, „hmm“ oder „ähm“, die Schweden punkten mit Genialitäten wie  „eh, ah, aah, m oder oh“.

    Fülllaute gehören zu jeder Sprache. Sparsam und gezielt eingesetzt haben sie auch eine Berechtigung.  Zum Beispiel, wenn ich etwas gezielt hervorheben möchte oder vor einem schwierigen Wort wie „Desoxyribonukleinsäure“.  Der Zuhörer merkt es sich besser, wenn stilistisch vorher eine Sprechpause mit einem smarten äähm – gesetzt wird. Probieren Sie es aus, es gibt eine Menge Studien dazu.
    Doch es kommt wie immer im Leben darauf an:

    Paracelsus sagt: Alles ist giftig, es kommt immer auf die Menge an.

    Wer ständig zu Hesitationen greift, wirkt unsicher, unprofessionell und unglaubwürdig. Wie schafft man es dann, sich diese ständig benutzten Füllwörter abzugewöhnen?

    Hier unsere Tipps für den Alltag, für das Sprechen vor einer Gruppe und vor allem für ein gelungenes Bewerbungsgespräch

    # Analyse Ihrer Sprechangewohnheiten. Bestandsaufnahme
    Zunächst muss man sich selbst analysieren und beobachten. Fragen Sie Freunde, Kollegen oder die Familie. Nehmen Sie sich selbst bei einem (längeren) Telefonat auf, machen Sie ein Sprachmemo mit Ihrem Handy und hören Sie sich das Ergebnis an. So erfahren Sie, ob es wirklich so schlimm ist.

    # Gehen Sie der Ursache auf den Grund
    Warum ist das so? Wollen Sie damit Zeit gewinnen? Ist es einfach ein unbewusster Tick? Finden Sie kein Ende? Sind Sie ein Endlos-Satz-Bauer? Ist es Unsicherheit? Einfach Gewohnheit? Ein Sprachfehler? Kommende Demenz? Bereitet Ihnen eine Denkpause Unbehagen?
    Sich darüber klar zu werden, ist ein unabdingbarer Teil der Therapie, sich die Denkgeräusche abzugewöhnen.

    #  Nehmen Sie sich die Angst vor Stille
    Lernen Sie, die Stille zu lieben. Die Macht der Stille ist ein sehr wirkungsvolles Stilmittel und hat eine enorme Wirkung. Sie in einem Vortrag einzubauen, ist ein ganz elementares, gezielt eingesetztes Rhetorikwerkzeug. In entsprechenden Seminaren wird geübt, vor einer Gruppe mindestens 10 Sekunden zu schweigen. Das ist anfangs sehr schwierig. Man muss es üben, die erste Peinlichkeit überwinden und dann wird es zunehmend leichter und man lernt, es wirkungsvoll einzusetzen. Es erhöht die Aufmerksamkeit, die Spannung und die Dinge, die nach der Stille kommen, werden viel bewusster wahrgenommen.

    # Achten Sie auf bewusste Atmung
    Die normale Atmung unterscheidet sich grundlegend von der Sprechatmung. In Ruhe sind ein- und ausatmen etwa gleichlang. Beim Sprechen ist das anders. Man atmet schnell ein, holt tief Luft und während des Sprechens wird langsam ausgeatmet. Füllwörter helfen unbewusst, während einer Denkpause in diesem Rhythmus der „Sprechatmung“ zu bleiben.

    Unser Tipp: Um das zu vermeiden hilft es, bei aufkommender Nervosität oder Denkblockade einfach ein Break zu machen – tief durchzuatmen, um so
    – zum Einen den Sauerstoffgehalt und damit auch die Konzentration zu erhöhen und
    – zum Anderen – Füllwörter zu vermeiden.
    Auch das geht nur mit Training, nehmen Sie sich die Zeit dafür.

    #Bereiten Sie bestimmte Einstiegssätze vor
    Wie wollen Sie in ein anstehendes Gespräch einsteigen, überlegen Sie sich die Sätze vorher. Wie starten Sie Ihre Rede, was sind die ersten Sätze?  Wie wollen Sie sich vorstellen, wenn Sie danach gefragt werden? Üben Sie solche Szenarien vorher, dann erleben Sie keine Überraschungen und müssen nicht zu lange überlegen.

    # Die Stimme kontrollieren
    Wer an das Ende seiner Sätze ein Äh oder Öhm hängt, der kontrolliert oft seine Stimme nicht ausreichend. Wenn wir beim Sprechen mit der Stimme zu hoch bleiben, fühlt es sich nicht richtig an, den Satz dann so zu beenden. Man hat den Drang, schnell eine Lücke zu füllen, um dann weiterzumachen. Dann wird schnell ein Füllwort benutzt.

    Unser Tipp: Gehen Sie bewusst mit der Stimme runter, wenn Sie an das Ende eines Satzes kommen. Betonen Sie also häufiger „nach unten“. Machen Sie einen Punkt. Dann empfinden Sie selber nicht den Druck, die durch die Betonung nach oben erzeugte Erwartungshaltung schnell mit irgendeinem Geräusch aufzufangen.

    # Gewöhnen Sie sich zu lange Sätze ab
    Wenn wir mehr damit zu tun haben, die korrekte Grammatik und den Satzbau zu kontrollieren, dann werden wir unkonzentriert und schmieren unweigerlich irgendwann ab. Dann kommen die Füllwörter als letzter Hilfeschrei. Der ehemalige Ministerpräsident in Bayern Edmund Stoiber – er möge uns verzeihen –  ist ein Paradebeispiel, dessen Reden bisweilen aufgrund der Menge an Füllwörtern durch den kompliziertesten Satzbau kaum mehr verständlich waren.
    Reihen Sie Ihre Gedanken wie eine Perlenkette aneinander und machen Sie öfter einen Punkt. Auch das muss man üben.

    # Kontrollieren Sie Ihre Redegeschwindigkeit
    Schnelles Sprechen fördert Stress und das Verwenden von Füllwörtern. Man vergallopiert sich und die Zuhörer haben sowieso Probleme, den hastigen Gedankensprüngen zu folgen. Ein gelassenes Redetempo hilft allen Parteien, es fördert die Entspannung, nimmt den Druck und reduziert Sprachfüllsel.

    # Hören Sie auf, unendlich weiter zu reden
    Viel geht verloren, wenn man kein Ende findet und immer weiter redet, obwohl alles gesagt ist. Dann wird man selbst fahrig und endet in einer Dauerschleife inklusive Füllwörter.

    # Vermeiden Sie auch andere Füllwörter
    Man nennt sie auch „Sprachparasiten“. Ganz modern ist zum Beispiel: „So, hier die letzte Umsatzstatistik. Genau. Es geht aufwärts, oder? Genau. Hier mal ein Diagramm dazu. Genau.“

    Es gibt so viele davon: „Im Grunde“, „nichtsdestotrotz“, „Am Ende des Tages“ „Wie auch immer“, „Fast hätte ich gesagt, dass …“ oder eben das beliebte „Genau“…

    Bleiben Sie also standhaft und frei von „Denkgeräuschen“, dann klappt’s auch mit dem Traumjob!

    Viel Erfolg! Ihr Christian Pape

    Mehr: Die hohe Kunst des kleinen Plauschens

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