Der Trend „Boomerang Mitarbeiter“ – und niemals geht man so ganz!

Der Trend „Boomerang Mitarbeiter“ – und niemals geht man so ganz!

Ein Kommentar von Christian Pape

Christian Pape

Meine Meinung! Christian Pape, CEO

Zurück zum EX? Never. Nicht nur im privaten Umfeld ist das ein NoGo. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels und der generellen Schwierigkeit vieler Unternehmen, geeignetes Personal zu finden, verliert auch dieses Tabu an Wertigkeit. Getreu dem Motto:  „Was kümmert mich das Geschwätz von gestern!“ … wenn die Not doch immer größer wird.

Und nach den „Boomerang Kids“, die in den Schoß der Eltern zurückfinden, ist nun auch der Begriff des „Boomerang-Mitarbeiters“ in Mode gekommen.

Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs ist sicher der populärste Fall des „Boomerang-Mitarbeiters“ – und vor allem hat sich die Rückkehr zu seiner alten Wirkungsstätte, dem Apple Konzern, für beide Seiten grandios ausgezahlt. Zehn Jahre später präsentierte er in San Francisco das iPhone.

Die Rückkehr eines Mitarbeiters zu seinem ehemaligen Arbeitgeber war bis vor ein paar Jahren also ein Tabu. Kein Rückfahrticket gab es für einen ehemaligen Mitarbeiter, man hatte kein Foto mehr für jemanden, der schon einmal die Segel gestrichen hatte und sich für ein neues Unternehmen entschieden hat. Soll er doch. Wird schon sehen. Man war beleidigt und trauerte dem Untreuen keine Träne nach.
Anders heute.
Immer öfter kehren Mitarbeiter einige Zeit nach dem Abschied in ein bereits vertrautes Umfeld zurück und die Arbeitgeber tun auch immer mehr dafür, das auch zu fördern. Auch Mario Götze oder wohl auch Mats Hummels zeigen diesen Trend sogar in einem so emotionalen Umfeld wie dem Profifußball.

Für Firmen ist es oft ein herber Verlust, wenn verdiente Mitarbeiter gehen, um den nächsten Karriereschritt in einer anderen Firma zu vollziehen. Viele Firmen halten deshalb gerne zunehmend Kontakt zu ihren Ehemaligen – SAP zum Beispiel hält ein groß angelegtes, eigenes Netzwerk, dessen Jahrestreffen immer auf sehr viel Resonanz stößt und prominent besetzt sind. Diese sogenannten Alumni-Netzwerke gewinnen immer mehr an Bedeutung. Der Ursprung des Begriffs „Alumni“ kommt von klösterlichen Einrichtungen, die ihren Schülern nicht nur Bildung, sondern auch Nahrung und Unterkunft angedeihen ließen. Diese Alumnate ermöglichten ihren Schülern unabhängig der finanziellen Möglichkeiten eine solide Ausbildung.

Viele Unternehmen erkennen zunehmend das Potential von diesen Alumni-Netzwerken, nicht nur als Talent Management Werkzeug. Ihre Hoffnung: Ein guter Draht zu früheren Angestellten bringt nicht nur Aufträge, wenn der Mitarbeiter zu einem potentiellen Auftraggeber wechselt, es fördert ein positives Image als fürsorglicher Arbeitgeber und: es hilft auch bei der Rekrutierung und öffnet die Türen für Rückkehrer. Verbreitet war die Idee in Deutschland bislang an den Hochschulen, heute kümmert man sich auch um die Ex-Mitarbeiter und hofft auf ein „re-hire“.

Auch der „Brain-Drain“, also die Abwanderung von Wissen, kann durch Alumni-Marketing ins Positive umgekehrt werden. Gerade in Konzernstrukturen geht immer viel Know-how durch Fluktuation verloren. Durch Alumni-Netzwerke kann dieses Wissen gehalten und weiterentwickelt werden. Wissensmanagement ist hier also ein wichtiger Baustein im Netzwerk.

Die Voraussetzung für einen Rückkehrer ist natürlich ein smarter Abgang mit einem gutes Ende. Ist man als Krawallbürste gegangen mit Anwalt, Einschalten des Betriebsrats und hat sich seiner Notdurft nochmal so richtig via Kununu entledigt, über Dinge, die raus mussten … dann sind die Chancen sicher sehr überschaubar.

Es gilt also auch hier der Leitsatz: „Man begegnet sich immer zweimal im Leben“ – also sollte man jeden Abschied mit Respekt und einem positiven Eindruck beim Abgang vollziehen.

Dann klappt es auch mit dem alten Arbeitgeber!

Als Fazit kann man festhalten: Das „Boomeranging“ kann helfen, Lücken zu stopfen und Know how zurück zu gewinnen. Aber die einfache Arithmetik zeigt, dass die Summe an Arbeitskäften dadurch nicht größer wird. Es löst also nicht das Problem des Mangels an hochqualifizierten Arbeitskräften.