FON: +49 89 -954 599 7-0

    Interview mit Christian Pape – Jobsuche heute – Fehler und Möglichkeiten

    Der Arbeitsmarkt heute und die Suche nach dem Traumjob

    Christian Pape im Interview mit dem Heyne Verlag.

    Q: Herr Pape, Sie sind einer der Top-Headhunter und Personalberater Deutschlands. Sie helfen Firmen bei der gezielten Suche nach qualifizierten Kandidaten und beraten umgekehrt Bewerber bei der Suche nach ihrem Traumjob. Wie sieht der Arbeitsmarkt zurzeit aus? Welche Chancen haben Bewerber heute – und was ist das größte Problem bei der Jobsuche?

    Der Arbeitsmarkt ist derzeit besser, als es in der Öffentlichkeit erkennbar ist. Das Problem ist, dass sich die Besetzung von Vakanzen nur zu 10 % in der Öffentlichkeit abspielt, 90 % aller Jobs aber besetzt werden, ohne dass es die Öffentlichkeit mitbekommt. Die meisten Positionen in der Industrie werden heute besetzt, indem man zum Beispiel sein eigenes Netzwerk benutzt und über Kontakte und persönliche Verbindungen einen neuen Mitarbeiter sucht. Auch Headhunter tragen einen großen Teil dazu bei. Wir nennen diesen Jobmarkt den „verdeckten Arbeitsmarkt“.
    Daher ist es für eine erfolgreiche Jobsuche wichtig, diesen versteckten Arbeitsmarkt zu adressieren.

    Q: Welche Fehler machen Jobsuchende bei ihrer Bewerbung immer wieder?

    Der Hauptfehler liegt darin, dass man nur Stellenanzeigen liest, in Internetbörsen sucht oder Initiativbewerbungen verschickt. Jeder Jobsucher denkt, das ist die richtige Methode, man kennt ja auch keine andere. Damit macht man aber nicht nur alles falsch, sondern verbrennt auch noch seinen Marktwert, weil man sich anbiedert.
    Wie soll man es auch besser wissen? Man sucht nur im öffentlichen Arbeitsmarkt, das heißt man konzentriert sich nur auf die „10 %“. Zudem ist hier die Konkurrenz am größten, man erhält eine Absage nach der anderen und schließt fälschlicherweise daraus, dass es für einen selbst keinen Job gibt, man generell ungeeignet ist. Der Frust wird immer größer, der Elan lässt nach und die Zweifel werden größer. In Wirklichkeit hat man nur den falschen Weg für seine Suche gewählt.
    Bewerbungen auf Stellenanzeigen sind nur dann zu empfehlen, wenn man auf eine Position zu mehr als 100% passt und zudem mit seinen Unterlagen überzeugen kann. Hier ist das nächste Problem, denn die meisten Bewerbungsunterlagen, die verschickt werden, sind äußerst mangelhaft. Der Leser muss sich durch nichtssagende Plattitüden quälen, der Bewerber geht in der Regel nicht auf die Position ein, nicht darauf, warum er besonders gut auf diese Stelle passt, sondern ergießt sich in Selbstdarstellung. Besonders schlimm sind „Briefbomben“ mit einer 10 MB schweren E-Mail und 20 Dateien im Anhang.
    Das dritte NoGo sind Initiativbewerbungen. Seine Unterlagen ungefragt an eine Personalabteilung zu schicken, führt in der Regel auch zu einer Absage. Eine Bewerbung ohne konkreten Bezug stört nur und nervt. Die Personalabteilungen sind nicht dafür ausgelegt, eine Bewerbung längerfristig zu speichern, um auf einen geeigneten Moment für den Kandidaten zu warten. Diese Administration lohnt sich nicht, der Bewerber erhält daher meist unmittelbar eine Absage.

    Q: In den Buchhandlungen gibt es Regalmeter von Ratgebern, die sich mit der Kunst, eine Bewerbungsmappe richtig zusammenzustellen, befassen. Entsprechend umfangreich ist das Angebot von vorgefertigten, zum Teil höchst aufwendigen Mappen. Wie soll Ihrer Meinung nach eine ideale Bewerbungsmappe aussehen? (Und wie sollte sie auf gar keinen Fall aussehen?)

    Ich kenne kein einziges Buch, das wirklich auf das eingeht, was die Unternehmen und Personalabteilungen sehen wollen. Immer werden nur pauschale Tips, fertige Layouts und Floskeln gegeben. Malen nach Zahlen auf hohem Niveau.
    Nur leider gibt es den idealen Lebenslauf für alle Fälle nicht. Es gibt kein Muster, mit dem man in jedem Fall und für jeden Job gewappnet und gerüstet ist. Der Denkansatz ist schon falsch. Jede Bewerbung ist ein individuelles Papier, das sich auf einen konkreten Fall, auf einen konkreten Job, auf ein bestimmtes Unternehmen beziehen muss. Es ist also ein Verkaufsinstrument und der Jobinteressent ist hierbei sein eigenes Produkt. Die Kunst ist es also, den Leser davon zu überzeugen, dass man für die konkrete Vakanz genau das richtige Produkt ist. Und das kann mit Einheitsbrei nie gelingen, egal wie gut er aussieht. Es kommt auch nicht gut an, wenn der Leser schnell erkennt, das ist der null-acht-fünfzehn-CV für alle Fälle.

    Viele Bewerber „plappern“ schriftlich einfach nach Schema F drauf los, ohne zu überlegen, ob das den Leser überhaupt interessiert. Alles, was man an sich toll findet, kommt auf den Tisch. Man bietet immer die komplette Speisekarte von sich an, ohne zu wissen, was jemand appetitanregend findet und hofft, der Andere wird sich dann schon das Richtige rauspicken.
    Falsch. Tut er eben nicht. Der Mensch an sich ist faul. Und er wird sich nicht die Mühe machen, aufwändig in der Vita nach passenden Indizien zu kramen. Ergebnis: Absage.
    Das Problem liegt aber auch bei den Firmen selbst, weil sie meist in ihren Ausschreibungen zu wenig Authentisches über sich schreiben und auch in ihren Stellen-Beschreibungen zu pauschal und allgemein sind. Die Kunst ist es also, selbst im Vorfeld gut zu recherchieren, um damit einen Wissensvorsprung zu haben, um sich dann geschickt bei dem Unternehmen positionieren zu können. Das Internet, sein eigenes Netzwerk und sorgfältig gewählte Informanten sind hierfür ideale Werkzeuge. Dann klappt’s auch mit dem Traumjob!

    Q: Welche Rolle spielt dabei der Lebenslauf? Was soll drinstehen, wie ausführlich darf er sein – und wie viel Persönliches sollte enthalten sein, sprich: Vorlieben, Hobbies und Vereinszugehörigkeit… (Und was raten Sie zur Optik? Bunt und aufwendig mit Törtchendiagrammen oder schwarz/weiss, knapp und nüchtern?)

    Es gibt keine Vorschrift bezüglich Layout oder Format. Heute hat man einen hohen Freiheitgrad, wie man was wie darstellt und gliedert, es sei denn ein Unternehmen fordert eine uniformierte Darstellung. Und genau das kann und muss man nutzen!
    Der Lebenslauf muss in erster Linie dem Leser das Denken abnehmen, ihn positiv beeindrucken und sofort zum weiterlesen inspirieren. Das Anschreiben ist daher ganz besonders wichtig. Es muss kurz sein und knackig, man muss in wenigen Sätzen beschreiben, warum man für die Vakanz genau der richtige ist. Keine Selbstdarstellung, keine Plattitüden, keine selbstverliebten Beschreibungen über sich. „Ich bin der Wahnsinn auf Erden“ gehört hier nicht rein und interessiert auch niemanden wirklich. Es muss ein unmittelbarer Bezug zwischen Job und Bewerber hergestellt und damit der Appetit für den Leser angeregt werden. Nur dann wird Interesse geweckt weiterzulesen und sich mit der Person und seinem Lebenslauf näher zu beschäftigen.
    Die „alte“ und klassische Form des Lebenslaufes war chronologisch aufgebaut, von hinten nach vorne, das heißt, man begann mit der Geburt, Schule, Ausbildung und den ersten beruflichen Stationen und schlug sich dann durch, bis zu den aktuellsten Stationen seines beruflichen Tuns. Das ist heute antiquiert und wenn man ehrlich ist auch nicht sehr übersichtlich.
    Üblich als Form ist heute der moderne CV, also der „Curriculum Vitae“, bei dem das aktuelle Wissen und die aktuellen Tätigkeiten als erstes erwähnt werden und sich die eigene Chronologie dann nach hinten auffächert. Das bedeutet, man langweilt den Leser nicht mit seiner schweren Kindheit und seinen ersten beruflichen Stationen und Erfahrungen, sondern man kommt sofort auf den Punkt und empfiehlt sich mit seinem aktuellen Wissen und Erfahrungen. Die Idee dafür kommt „natürlich“ aus USA. Die Amerikaner waren schon immer Weltmeister in der Selbstvermarktung und in der Inszenierung der eigenen Person.
    Informativ ist es auch, wenn man am Schluss des Lebenslaufes zu jeder beruflichen Station noch ein erklärendes Blatt hat, in dem man genauer beschreibt, was man bei dem jeweiligen Unternehmen gemacht hat, welche Erfahrungen, welche Erfolge, welche Projekte und vor allem welche Beiträge man dort geleistet hat. Dies angepasst an die Vorgaben der Position, auf die man sich bewirbt. Bewerbe ich mich auf eine Vertiebsposition, so müssen die kundennahen Aufgaben erwähnt werden, bei einer Marktingposition muss ich aufzeigen, welche nützlichen Erfahrungen ich hier gesammelt habe.
    Unterschätzt wird oft der private Teil. Hier kann man aber eine ganze Menge Authentisches und Informatives über sich aussagen und beschreiben. Bin ich Marathonläufer, dann zeigt man damit indirekt Zähigkeit und Ausdauer, bin ich Kassenwart in einem Verein, so sagt das viel über Zuverlässigkeit und Vertrauen anderer in meine Person aus. Daher ist es ein sehr schönes und subtiles Mittel, mit dem man punkten kann, ohne dass man sich selber beweihräuchert.
    Die Form des Lebenslaufes ist also immer davon abhängig, wo ich mich bewerbe und für was ich mich bewerbe. Bei kreativen Positionen muss daher auch mein Lebenslauf ein paar kreative Elemente enthalten, bewerbe ich mich auf eine Finanzposition, so ist eine klare Struktur und eine Nähe zu Zahlen die beste Lösung für das richtige Layout.

    Q: Welche Rolle spielt das Foto bei Bewerbungen? Und was halten Sie von der amerikanischen Regelung, Fotos bei Bewerbungen nicht zuzulassen, mit dem Ziel einer sachlichen Beurteilung, unabhängig von persönlichen Likes und Dislikes?

    Ein schönes Foto ist ein absolutes Muss, die Investitionen in einen guten Fotografen in jedem Fall anzuraten. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, das gilt erst Recht in einem Lebenslauf.

    Q: Wie beurteilen Sie – im Allgemeinen – die Qualifikation der Jobsuchenden? Wie steht es um die Ausbildung durch Studium, weiterbildende Maßnahmen, Berufspraxis? Haben wir zu viele gute Kandidaten für zu wenige Jobangebote? Was vermissen Sie – wozu raten Sie?

    Am meisten vermisse ich den Mut, dass man macht, was man kann und will und nicht das, was man mal gelernt hat. Oft würde dann auch die Jobsuche leichter werden – statt verzweifelt an Dingen zu kleben, die man entweder nicht kann oder die auch nicht mehr gefragt sind.
    Leider ist es so: Erst wenn man älter wird, dann formen sich die Wünsche konkreter und einem wird bewusst, was man wirklich will im Leben – und man weiss auch besser was man kann und was man nicht kann. Dann ist es auch Zeit, getroffene Entscheidungen zu korrigieren. Es ist nie zu spät. Und der Arbeitsmarkt ist im Wandel, es entstehen tausende neuer Berufsbezeichnungen. Wenn ich hier flexibel bin, dann ist Jobsuche auch kein Problem. Wenn ich aber einem alten Zopf hinterherlaufe, oft aus Bequemlichkeit, dann wirds schwierig. Der Mut zu Veränderung und raus aus seiner Komfortzone ist das Wichtigste bei der Suche nach dem Traumjob. Das klingt eingenartig, dass es erstmal weh tun muss, aber so sind wir halt. Genau das ist auch wesentlicher Teil meines Buches.

    Q: Welche Eigenschaften eines Bewerbers sind über die rein fachliche Qualifikation hinaus von entscheidender Bedeutung für den beruflichen Erfolg – und dementsprechend für eine aussichtsreiche Bewerbung? Sind es eher die Führungsqualitäten, wie ein starkes Ego, Selbstbewusstein und Durchsetzungsvermögen – oder sind in Zeiten flacher Hierarchien mehr Teamgeist und Verantwortungsgefühl gefragt? Oder etwas ganz anderes…?

    Immer wichtiger werden Teamfähigkeit, Engagement, Lernbereitschaft, Ausdauer, Kritikfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit. Alles Attribute, aber wichtige Punkte, an denen jeder von uns kontinuierlich arbeiten muss, um beruflich erfolgreich zu sein und es auch zu bleiben. In meinem neuen Buch „Traum! Job! Now!“ habe ich die „ultimative Hitliste an Eigenschaften“ erfolgreicher Menschen einmal näher beleuchtet. Wichtig ist, dass man in seinem CV nie schreibt, man kann jetzt alles und die Firma profitiert nun von seinem Genius. Das ist nur noch furchtbar. Dauernde Bereitschaft muss durchklingen und nie Selbstüberschätzung oder Überheblichkeit jedweder Art. Ein Manager ist kein guter Manager, wenn er einen Führungsstil beherrscht. Ich lese das so oft. „Mein Managementstil ist konsensorientiert!“ Ganz stolz ist der Konsens-Manager auf sein Talent. Aber was ist, wenn Konsens mal nicht gefragt ist? Vorsicht also mit platten Aussagen zu den eigenen Fähigkeiten, Eigenschaften und Auffassungen. Ein guter Manager, bleiben wir mal bei dem Beispiel, ist nämlich sicher keiner, der EINEN Managementstil beherrscht. Ein guter Manager hat eine Vielzahl von Facetten, Erfahrungen und Lösungsvarianten in seinem „Portfolio“. Er kann im richtigen Moment immer flexibel reagieren, denn gerade für einen Manager ist ein situationsbezogenes Denken und Handeln immer wesentlich. Und er bleibt immer lernfähig und -willig.

    Q: Immer wieder hört man, dass Jobsuchende – meist vergeblich – zwanzig, dreißig, gar hundert Initiativbewerbungen gestartet haben. Ist denn das überhaupt ein empfehlenswerter Weg zum Traumjob?

    Überhaupt nicht. Die machen überhaupt keinen Sinn, denn diese landen in der Mehrzahl auf irgendwelchen Schreibtischen der Personalabteilung, wenn es – und das ist leider oft so – schlecht läuft, dann bei Praktikanten, Teilzeitkräften usw. Wenn kein konkreter Bezug bei einer Bewerbung vorhanden oder erkennbar ist, dann stört sie nur. Und was macht man, mit Dingen, die stören? Man schiebt sie weg, lässt sie verstauben und wird unweigerlich irgendwann, wenn gerade Zeit ist, eine lapidare Absage bekommen. Man ist in diesem Moment nur ein Fremdkörper, der gerade stört.
    Noch schlimmer: Wenn es dann später einen guten Grund für eine Bewerbung gäbe, ist man schon als Lusche archiviert und dann wird es schwer, aus dieser Ecke wieder rauszukommen. Dann ist man schon von vorne herein „raus aus der Nummer“, weil man in der Pfeifen-Schublade schon einsortiert ist.

    Q: Wie definieren Sie überhaupt den „Traumjob“ – bezogen auf den Bewerber bzw. Kandidaten und seine individuellen Qualifikationen? Klaffen da Wunsch und Wirklichkeit oft auseinander?

    Um wirklich seinen Traumjob zu finden ist ein wenig Vorarbeit bei sich selbst nötig, dafür wird man dann aber am Ende mit einer hohen Wahrscheinlichkeit belohnt, dass man ihn bekommt. Das ist auch der Aufbau in meinem Buch: Wir knacken erst unsere „Verhinderer“, dann stellen wir die richtigen Fragen an uns selbst und daraus entwickeln wir dann eine sehr kreative Umsetzungsstrategie.

    Q: Welche Möglichkeiten bietet das Internet bei der Jobsuche? Und wie verändert es den klassischen Ablauf der Bewerbung?

    Ich sehe die Internetlanschaft in diesem Punkt zweigeteilt. Der negative Tel ist die Internet-Hysterie der Firmen, alles damit erschlagen zu wollen. Ich nenne es den „digitalen Tabledance“, Bewerber werden genötigt, sich durch Online-Formulare durchwälzen zu müssen. Und wenn nicht? Passé la Chance. Servicewüste Deutschland, die Besten kriege ich als Unternehmen so aber sicher nicht.
    Positiv ist, dass für unseren Zweck der Traumjobsuche das Internet ein unerschöpfliches Recherchewerkzeug ist und eine ideale Anbahnungsplattform zum Netzwerken. Und wie wir anfangs festgestellt haben, wird über das Netzwerken die Mehrzahl aller Jobs besetzt. Hier liegt also ein Geheimnis meiner Form der Jobsuche, diese Dinge geballt und sinnvoll zur Anwendung zu bringen – um an den Traumjob zu kommen. Das gelingt aber nur, wenn man gleichzeitig die Gefahren des Internets auch kennt und damit richtig umgeht. Sonst ist es zu spät, bevor es angefangen hat.

    Q: Liegt die Einladung zum Vorstellungsgespräch vor, ist die erste Hürde genommen, nun kann sich der Bewerber erstmals persönlich präsentieren – eine große Chance, dem Traumjob ein Stück näher zu kommen, oder aber alles in den Sand zu setzen. Was raten Sie Bewerbern für den ersten persönlichen Kontakt mit dem Unternehmen, für das er gern arbeiten würde?

    Zwie Dinge sind hier ganz besoners wichtig: Ich muss selbst das Gespräch nutzen, um zu erfahren, ob die Firma auch zu mir passt. Das ist nicht nur das allerwichtigste sondern ändert auch ein wenig die Einstellung, mit der ich in so ein Gespräch gehe. Und das merkt der Gegenüber und wird eher seinen „Jagdinstinkt“ wecken. Zweitens: Üben und Vorbereiten! Keiner von uns ist perfekt und solche Gespräche erfolgreich zu führen bedeutet, Erfahrung damit zu haben. Erfahrung in der Vorbereitung, Praxis in der Gesprächsführung, vor allem auch Erfahrung im Umgang mit sich selbst. Alles, was man gut machen will, muss man vorher trainieren, warum in aller Welt geht man dann oft so unvorbereitet und untrainiert in diese wichtigen Gespräche? Man sollte sich einen Sparringsparter suchen und vor allem nach seinen „Ticks“ suchen. Denn diese beeinflussen das Gespräch mehr als man nur erahnen kann.

    Q: Die Statistik sagt, dass über 80% aller Arbeitnehmer unzufrieden sind mit ihrem Job. Sollte nicht jeder, der heute einen Job hat, froh darüber sein und an ihm festhalten, koste es, was es wolle?

    Das sind natürlich unsere Urängste und ich gehe deshalb im Buch ganz besonders und sehr ausführlich darauf ein. Um es auf den Punkt zu bringen: Abwarten ist die schlimmste aller Lösungen. Wir müssen die Risiken und Chancen dazu einmal gegenüber stellen. Die Chance besteht darin, endlich einen Job zu haben, der wirklich Spaß macht. Etwas, das man kann und das man tun will. Das Risiko ist es, zu warten und nichts zu tun. Zu verharren in einer Tätigkeit, die mir a) keinen Spaß macht und ich daher b) auch nicht die optimale Leistung bringe. Wir verbringen mehr Zeit am Arbeitsplatz als mit unserem Lebenspartner. Warum um Himmels Willen sind wir aber so unkritisch, wenn es um das berufliche Schicksal geht?
    Halte ich fest, dann werden andere über mein Schicksal entscheiden und leider führt das heute oft zu einem Verlust des Arbeitsplatzes. Dann hat man erst Recht ein Problem. Die Lösung heißt: Den eigenen Marktwert immer attraktiv halten. Dann wird man immer attraktiv für den Arbeitsmarkt sein und ist vor allen Schicksalsschlägen „gewappnet“. Aussitzer haben den geringsten Marktwert, wer aber experimentierfreundig ist und Mut zu Veränderung zeigt, der ist immer auf der Gewinnerseite. Und tut zudem was er kann, was ihn begeistert und was er will.

    Christian Pape