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„Quiet Quit“ – die mentale Kündigung

„Quiet Quit“ – die mentale Kündigung

„Quiet Quit“ – die mentale Kündigung 1280 853 Monika Huber

Der Quiet Quit ist ein Trend aus den USAIst das ein neuer Trend? Oder hat es nur einen hippen Namen? Vor einiger Zeit war es der „Big Quit“ mit den gefürchteten Massenkündigungen, die aus den USA zu uns herüberzuschwappen drohten. Jetzt scheint es einen neuen Trend zu geben. Der „Quiet Quit“ erhitzt die Gemüter.

Was ist der „Quiet Quit“

Statt aktiv zu kündigen, erledigen die Mitarbeiter nun nur das absolute Minimum, um sich nicht mehr für den Arbeitgeber zu verausgaben. Sie sitzen schließlich derzeit am längeren Hebel beim Fachkräftemangel. Daher heißt es dort wie schon in einem deutschen Sprichwort anklingt: Pünktlich wie die Maurer den Laptop/Computer herunterfahren, nichts mit in den Feierabend zu nehmen. Doch selbst im Büro verrichten sie nur noch die notwendigsten Aufgaben.

Der Begriff „Quiet Quit“ kursiert seit dem 25. Juli in den sozialen Medien. Ein TikTok-User (zaidleppelin) schreibt unter seinem Video: „Ich habe gerade vom Begriff ‚Quiet Quitting‘ erfahren. Also wie man seine Stelle zwar nicht direkt an den Nagel hängt, aber damit aufhört, im Job sein Bestes zu geben.“

In Gedanken kündigen, dem Arbeitsstress aus dem Weg zu gehen und nur noch so viel zu machen, um nicht gekündigt zu werden, lautet wohl das neue Motto in den USA. „Quiet Quitter“ erfüllen lediglich die Mindestanforderungen in ihrer Arbeit. Vor allem bei den Millenials und der Generation Z ist dieser Arbeitstrend angekommen. Grundsätzlich bedeutet er:

  • Es gibt keine Kündigung. Dennoch wird nur noch das erledigt, was notwendig ist, um den Job weiterhin zu behalten.
  • Pünktlich – minuten- oder wenn nicht sogar sekundengenau – wird Feierabend gemacht. Es wird danach kein Gedanke mehr an die Arbeit verschwendet.
  • Geschweige denn: Nach Feierabend noch einen kurzen Blick auf die Mails werfen oder einen Anruf bzw. eine Kurznachricht beantworten, das alles wird nicht mehr durchgeführt.
  • Zusatzaufgaben für den Chef? Der kleine Gefallen, mal eben etwas zu kopieren oder zu organisieren, wird abgelehnt.

Reaktionen zum leisen Aufhören auf TikTok

Der Chef Beziehungskiller, emotionale Analphabeten

Anscheinend sind mit dieser neuen Einstellung Arbeitgeber überfordert. Sie suchen Rat in den sozialen Medien. Sie fragen, wie man diese passiven Angestellten weiter motivieren kann. Die Ratschläge sind so einfach und so allgemein. Sie könnten schon lange in jegliches Unternehmensklima mit einem guten Employer Branding integriert werden:

 

  • Mehr Geld: Nicht nur die Inflation treibt die Gehälter nach oben. Auch die Veränderung des Arbeitsmarktes setzt mehr und mehr auf eine faire Entlohnung. Überstunden sollen längst nicht mehr unbezahlt oder unausgeglichen geleistet werden.
  • Mehr Pausen: Nicht nur eine Mittagspause soll zur Pflicht werden, sondern auch kleine Entspannungspausen zwischendurch. Eine gesunde Pausenkultur hilft gegen Stress.
  • Mehr Wertschätzung: Selbst für kleine Gefallen ist hin und wieder ein kleines Dankeschön oder Lob angebracht. Dies motiviert die Belegschaft, weiter diese Extra-Arbeiten zu erledigen und fördert gleichzeitig eine gesunde Unternehmenskultur.

Jim Harper, Chefwissenschaftler für Arbeitsplatz und Wohlbefinden bei Gallup schrieb dazu: „Es ist wichtig, die richtige Art von Gesprächen zur richtigen Zeit zu führen, damit die Leute wissen, was von ihnen und ihrer Rolle erwartet wird und wie ihre Arbeit mit etwas Größerem verbunden ist.“

Wie man das Problem löst

PARTNER Bein PAPE PersonalberatungZwar ist die innerliche Kündigung keine Neuheit mehr. Die gab es schon lange. Der Trend „Quiet Quit“ unterstreicht aber einmal mehr die Trends im heutigen Arbeitsmarkt. Überstunden und Ausbeutung wird von den wenigsten gutgeheißen. Das Thema „Burnout“ sollte sowohl bei Unternehmen als auch bei Mitarbeitern zentral sein. Aufgaben sollten priorisiert werden, um eine Überforderung zu vermeiden. Dies kann man unter anderem mit Regeln erreichen, wann E-Mails oder Nachrichten beantwortet werden können.

Der Schlüssel für ein gutes Arbeitsverhältnis ist die richtige Kommunikation. Jeder Beschäftigte hat individuelle Wünsche, die es zu berücksichtigen gilt. Sind für die einen die Überstunden unerträglich, weil sie mehr Zeit mit der Familie verbringen wollen. Wollen die anderen dagegen für die Überstunden bezahlt werden, um ihren Kontostand aufzubessern. Hier heißt es, genau hinzuhören und individuelle Lösungen für die jeweilen Mitarbeiter zu erarbeiten.

Die richtige Kommunikation kommt sowohl den Unternehmen als auch den Beschäftigten zugute. Zwar sind gerade die Arbeitnehmer aufgrund des Fachkräftemangels in der stärkeren Position. Dieses Pendel kann allerdings auch wieder in die andere Richtung ausschlagen. Sollte dies geschehen, so werden die „Quiet Quitters“ aufgrund von ihrer Einstellung und Motivation wohl zuerst entlassen.

Ob sich der „Quiet Quit“ in Deutschland durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind im Vergleich zu den USA komplett verschieden.

Empfehlung des Erfolgsautors Christian Pape

Christian Pape, Autor des Buches „Vom Jobtrauma zum Traumjob“ und CEO, empfiehlt den unzufriedenen Beschäftigten:

„Der Job ist es nicht, der Sie zufrieden macht, sondern das Umfeld, in dem Sie arbeiten. Die Firma, die Kultur, die Vorgesetzten, das Miteinander, der Umgang, der Erfolg des Unternehmens, das Management, die Kollegen und vieles mehr. All das muss man im Vorfeld näher leuchten, bevor man sich bindet. Müsste man ..

Nur tun das die Wenigsten, meist ist man bei der Wahl des „Jobs“ viel zu unkritisch. Erst später stellt sich dann raus, dass es keine gute Idee war.

Man bleibt aber dann dennoch dabei, weil man „Muss ja“, ist aber höchst unzufrieden. Wer unzufrieden ist, der ist nicht motiviert, dem macht alles keinen Spaß, der ärgert sich nur und ruft auch nicht das ab, was der Arbeitgeber von ihm erwartet. Das hilft also beiden Seiten nicht wirklich.

Der neue Trend „Quiet Quittung“ verschärft das Problem nur, anstatt es zu lösen. Um Unzufriedenheit im Job dauerhaft aufzulösen, hilft es nicht, sich still und leise zu verabschieden. Entweder kommunizieren Sie klar und deutlich, was Sie stört. Oder Sie sehen sich nach neuen Herausforderungen um. Dieses Mal aber mit der richtigen Strategie und einem klaren Blick.“

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