Smalltalk – die hohe Kunst des kleinen Plauschens

Christian Pape

Meine Meinung! Christian Pape, CEO

Ob im Fahrstuhl, in der Kantine, im Bewerbungsgespräch oder beim Kundenbesuch: Smalltalk gehört zum Alltag. Jeder sollte auf andere Menschen zugehen können, mit ihnen reden und plaudern. Nur so gehört man dazu. Jemand, der nichts sagt, steht draußen, hat keine Meinung, fällt nicht auf, ist unspannend und damit raus.
Der große Schweiger schweigt sich still und leise ins Abseits und signalisiert vor allem Desinteresse an seinem Gegenüber und seinem Umfeld, was ihn nicht gerade für höhere Weihen empfiehlt.

Nur durch aktive Kommunikation entsteht eine Beziehung zu Kollegen, zu Kunden und allen Personen, mit denen man beruflich als auch privat irgendwie zu tun hat. „Smalltalk-Kompetenz“ zu haben wird also immer auch der eigenen Karriere helfen – gerade in Zeiten von WhatsApp und Social Media, bei denen der geschriebene Text mehr gilt als das gesprochene Wort. Das verleitet dazu, das Zwischenmenschliche zu vernachlässigen, da helfen auch keine Emoticons. Der Trend ist trügerisch, mag die Generation Smartphone es auch bequem finden, lieber eine Textnachricht zu versenden als einen persönlichen Smalltalk zu führen – spätestens in einem Aufzug wird es schwierig, die Person zu liken statt sie anzusprechen.

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Smalltalk = Smarttalk

„Man kann nie nie kommunizieren“ … ist ein weiser Spruch aus dem Kommunikationsseminar für Anfänger. Auch wenn man nichts sagt, kommuniziert man – nur leider vermittelt man damit keinen positiven Eindruck. Die gute Nachricht: Smalltalk ist lern- und trainierbar. Üben Sie ihn und Sie müssen sich nie wieder vor peinlicher Stille fürchten.

Nichts ist schlimmer und bedrückender als das Schweigen. Sei es im Büroflur, am Kopierer, im Aufzug, in der Kantine, bei der Weihnachtsfeier. Aber auch in einem Bewerbungsgespräch ist der Smalltalk der Schlüssel für einen erfolgreichen Einstieg und den weiteren Verlauf des Gesprächs.

Die hohe Schule des kleinen Plauschens ist in allen Alltagssituationen wichtig und öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben. Deshalb sprechen wir heute auch eher vom „Smart Talk“ als von Smalltalk. Der Meister der ersten Worte knüpft in der Regel schneller Kontakte und schon allein damit ebnen sich viele Wege. Und das sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich.

Zunächst muss aber gesagt werden: Smalltalk heisst NICHT quatschen bis der Gegenüber ins Koma fällt, sondern ein kurzes Gespräch zu eröffnen und den Anderen zu ermuntern, mitzumachen und ein kurzes Gespräch zu führen.

„Peinliches“ Schweigen entsteht, wenn niemand den Gesprächsbeginn wagt.

Die US-Amerikaner haben den Smalltalk perfektioniert. Schon wenn Sie ein Geschäft in New York betreten, wird Ihnen die Verkäuferin enthusiastisch entgegen kommen, Sie überschwänglich begrüßen und dann Ihre Frisur, Ihr Outfit oder Ihre Schuhe loben.

„I love your style!“ … und everything an Ihnen ist „amazing“ und „gorgeous“.

Schön, das kann einem irgendwann als Zentraleuropäer fürchterlich auf den Geist gehen, hilft aber trotzdem erstaunlich gut, das Eis des Schweigens zu brechen und einen Smalltalk zu beginnen.
Sie sehen, auch Komplimente sind – obwohl man genau weiss, dass sie nur der Kontaktaufnahme dienen – ein guter Einstieg in ein Gespräch.

Hier nun einige Tipps, wie Sie es lernen können, aus peinlichen Situation zu kommen und den Smarttalk auch entsprechend smart zu beginnen:

1. Seien Sie mutig, wagen Sie den Anfang, wenn es der/die andere nicht tut.

Die Etikette sagt, der „Ranghöchste“ muss den ersten Schritt tun. Auch der Gastgeber ist zuerst an der Reihe, zum Beispiel bei der Begrüßung in einem Bewerbungsgespräch. Das sieht aber nicht jeder so und so ein Gastgeber kann auch ziemlich hölzern sein. Dann helfen Sie ihm – und beginnen Sie, das Gespräch zu eröffnen. Denken Sie daran:
Wichtig ist nicht, was gesagt wird. Wichtig ist, dass was gesagt wird.
Das nennt man phatische Kommunikation. Und hier darf man durchaus auch auf völlig dämliche Phrasen zurückgreifen, wie: “Haben Sie das schöne Wetter am Wochenende auch genutzt, um draußen zu sein?“.

Anfangs braucht es vielleicht ein wenig Überwindung, aber mit jedem Mal wird es einfacher und man wird sicherer. Und mit mehr Sicherheit kommt noch mehr Übung. Und irgendwann bekommt man Spass daran. Üben Sie das Plaudern auch außerhalb des Jobs, auf einer Parkbank, am Kiosk, an der Kasse oder beim Arzt. Dabei muss kein ausführliches Gespräch entstehen. Das Ziel sollte es lediglich sein, Kontakt aufzunehmen und den Ball ins Rollen zu bringen.

2. Lächeln Sie als Eisbrecher

Mit einem muffigen Gegenüber möchte man kein Gespräch führen. Beginnen Sie jedes Gespräch mit einem Lächeln. Ein Lächeln ist der Eisbrecher und wirkt sympathisch. Nichts ist besser geeignet als Gesprächseinstieg als ein Lächeln. Denn wie heißt es so schön:
„Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“
Damit ist aber kein Betongrinsen gemeint. Üben sie das ruhig vor einem Spiegel oder lassen sie sich von Freunden Feedback geben. Es ist wichtig. Viele Menschen schauen mürrisch, obwohl es ihnen garnicht bewusst ist.

3. Haben Sie keine Scheu vor Belanglosem und Offensichtlichem

Häufig sind zu hohe Ansprüche der Grund, warum der Smalltalk erst gar nicht ins Rollen gerät. Dabei kann ohne schlechtes Gewissen über Belangloses getratscht werden – auch mit Vorgesetzten. Hauptsache man macht den ersten Schritt und das Eis ist gebrochen. Ziel des Smalltalks ist es lediglich, eventuelle Gemeinsamkeiten zu finden, an die man später in einem „echten Gespräch“ oder dem nächsten Fahrstuhl-Smalltalk anknüpfen kann.

4. Eigenen Sie sich Smalltalk Themen an

Manche scheuen sich, über etwas Offensichtliches zu sprechen. Aber gerade Belangloses und Offensichtliches ist besonders gut als Gesprächseinstieg geeignet, z. B. „Herrliches Wetter, das wir jetzt schon ein paar Tage haben!“.

„Smalltalken“ lässt sich am besten:

  • Über den Ort oder die Umgebung, in der man sich gerade befindet, sprechen: „Die Dame an der Rezeption war sehr aufmerksam!“, „Das ist aber eine tolle Location hier!“, „Das sind sehr schöne Büroräume, sind Sie schon lange hier?“
  • Über die Anreise sprechen: „So viel los gerade in der Stadt“… Stau, Hektik, Berufsverkehr, suchen Sie sich was aus. Ihr Gegenüber wird dann sicher einsteigen.
  • Über das Wetter sprechen (!): Über das Wetter kann man immer reden. Alle reden über das Wetter. Das ist übrigens typisch deutsch. Kein Volk redet so gerne und so ausführlich darüber. Vielleicht, weil es immer einen Aufreger dabei geben kann und wir uns gerne aufregen. Es ist zu heiss, zu kalt, zu nass, zu trocken, zu stürmisch, zu wolkig, zu blau, zu gelb, zu grün. Man hat das Falsche an, nasse Füße bekommen, den Regenschirm vergessen, der Wind ist aber auch unangenehm momentan, oder es ist so heiß im Büro, dass man sich kaum konzentrieren kann.
  • Über Veränderungen reden: Was ist anders als letztes mal, als sonst, was ist neu?
  • Über die Situation, in der sich beide Gesprächspartner befinden: „In welches Stockwerk möchten Sie ?“
  • Über die andere Person, also Ihren Gegenüber: “Kommen Sie gerade von der Mittagspause, von der Veranstaltung, vom Meeting XYZ …?” „Wann geht es bei Ihnen in den Urlaub?“ „Ist viel los im Moment in Ihrer Abteilung?“ „Schon im Urlaub gewesen?“ oder ein Kompliment machen: „Wo haben Sie denn diese Aktentasche her, ich suche gerade so etwas.“
  • Über sich selbstreden: „War das ein Tag heute …“, „Mir gefällt die neue Wandfarbe in den Büros“. Die Büromöbel, der Meetingraum …)

Zeigen Sie Interesse an dem, was Ihnen der Gesprächspartner dann erzählt. Und Interesse lässt sich am besten vermitteln, indem Sie Fragen stellen und aufmerksam zuhören.

Was geht garnicht? NoGos beim Smalltalk

Natürlich gibt es auch Themen, die man beim Small Talk besser meiden sollte. Dazu gehören Politik und Religion, aber auch Gesundheitsthemen sind tabu. Über Geld sollte man beim Small Talk nicht reden, Sex gehört hier nicht hin, keine Gerüchte und auch die familiäre Situation passt nicht jedem. Man sollte nicht zu sehr jammern, Immer positiv bleiben. 
Als Faustregel kann gelten: 
Alles, was den anderen in eine peinliche Situation bringen könnte, ist beim Small Talk tabu. Denn bei diesem kleinen Plausch geht es nur darum, dass sich zwei oder mehr Menschen miteinander wohlfühlen. Um nicht mehr, aber auch nicht um weniger.

Happy Smarttalk!