Stellenanzeigen: Hohle Phrasen für intelligente Bewerber?

In Stellenanzeigen wird geschwafelt, was das Zeug hält. Der Stellenmarkt ist ein herrlicher Spielplatz für Fans einer gepflegten Runde Bullshit-Bingo. Kreativität oder zumindest Individualität gibt es meist weder bei Bewerbern, noch bei den Unternehmen. Stattdessen herrscht hochgradig Floskel-Alarm.

Eine Analyse von Stellenanzeigen, durchgeführt in 2017 von unserem PAPE Lab, zeigt exemplarisch bei den untersuchten DAX-Konzernen: Die Börsengrößen sind alle Weltmeister der Worthülsen: „Spannend“, „interessant“ oder „führend“ ergänzt sich mit „player“, „innovativ“ und „international“.
Und so ähnelt sich auch, was sie zu bieten haben, nämlich „eine attraktive Vergütung“, „Weiterbildung“, ein „tolles Team“ und „Spaß“.

Andererseits: Wer Mitarbeiter sucht, der kennt die Anschreiben schon auswendig, ohne sie gelesen zu haben. Da ist jeder „teamfähig“, „eigenverantwortlich“ und „hochmotiviert“. All diese hohlen Phrasen nerven, weil sie nichts über einen Bewerber aussagen. Nur: Arbeitgeber dürfen sich nicht aufregen, sondern sollten bei sich selbst anfangen, nach Gründen und Fehlern zu suchen. In Sachen Phrasendreschen stehen sie nämlich den Bewerbern in nichts nach.

Wäre man boshaft könnte man sagen: Da kommt zusammen, was zusammen gehört. Die beiden Seiten haben sich gegenseitig verdient! Blind meets blind.

Doch bleiben wir seriös, wie sieht eine gute Jobannonce aus, mit der man sich wirklich von der Konkurrenz abhebt? Soll man es besonders „kreativ machen“ ? … Wie folgendes Beispiel eines Café Betreibers, das im Netz Furore gemacht hat:

Mitarbeiter/Studenten (m/w) zur Aushilfe ab sofort gesucht!
„Du bist nicht komplett verpeilt, bist in der Lage dich selbst im Supermarkt mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen, scheiterst nicht am EC Terminal, brauchst nicht in den nächsten fünf Wochen ein Urlaubssemester, weil du erst mal selbst zu dir finden musst (oder deine Mutter), du kannst die Uhr lesen, musst nicht alle drei Minuten eine WhatsApp schreiben, Facebook checken, beherrschst die Grundrechenarten, kannst dich in deutscher oder englischer Sprache verständigen, der Gebrauch eines Deo und einer Waschmaschine ist dir nicht fremd, du kannst dir vorstellen mindestens zwei Tage die Woche zu arbeiten, ohne gleich an einem Burnout Syndrom zu erkranken? Der Job gehört dir!“

Wie der Kölner Express auf seinem Online-Portal berichtete, hing diese Stellenanzeige im Café Lemke am Rathausplatz und dürfte sicher schon für einige Schmunzler gesorgt haben.

Aufmerksamkeitsstark war in jedem Fall auch Herr Michael O’Leary, seines Zeichens Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair und bekannt für seine lockeren Sprüche und unkonventionelle Art. Er verfasste die Stellenanzeige für seinen persönlichen Assistenten gleich selbst – und fernab aller Standards und Konventionen. Sein Titel „Schlimmster Job in Irland?“ zeigt schon, wo es die Reise hingeht:

Ein dickes Fell, Engelsgeduld, ein eigenes Repertoire an Kinderliedern und Gute-Nacht-Geschichten, eine Abneigung gegen dummes Geschwätz, die Eigenschaft, ohne Schlaf und Kontakte zur Außenwelt auszukommen sowie die Fähigkeit, dem Ego anderer Leute Streicheleinheiten zu verpassen – so steht es in der Anzeige.

Zu den Aufgaben des neuen Assistenten gehören dann neben der „allgemeinen Plackerei“ etwa auch Investment-Analysen und Projektmanagement. Fans des englischen Fußballklubs Manchester United sollten sich lieber nicht auf die Anzeige bewerben, ist zu lesen. Ihnen drohen statt einem Job Folter und Hinrichtung.

Es ist nicht überliefert, wer den Job am Ende bekommen hat. Als PR Aktion war es in jedem Fall alle Mühen wert.

Wer macht, was alle anderen machen, der macht zunächst nichts falsch und ist in guter Gesellschaft. Aber nicht falsch heisst noch lange nicht, dass es richtig ist. Der Herdentrieb hat noch nie geholfen, sich zu differenzieren. Das Ziel darf also nicht sein, Einheitsbrei – wie alle anderen – zu produzieren und dabei keine Fehler zu machen, sondern genau das als Chance zu erkennen und es BESSER und RICHTIG zu machen. Sich zu unterscheiden. Das kommt an und funktioniert.

Die perfekte Anzeige berücksichtigt folgendes:

  • Sie ist so kurz wie möglich und so lang wie nötig, je nach Medium. Zu lange Anzeigen werden nicht gelesen.
  • Das Storytelling beginnt beim Jobtitel. Was soll es, wenn der Jobtitel heisst: Wir suchen eine/n „Referent Reservierung Spezial AVB K“ oder „Field Execution Specialist“ ? Schon hier kann man sich differenzieren, indem man zum Beispiel einen „klugen Java Programmierer m/w“ sucht.
  • Der Text beantwortet die Frage: Wer bin ich. Was suche ich. Was biete ich. Das hebt sich authentisch ab und vermeidet Beliebigkeit.
  • Um sich zu differenzieren ist natürlich Kreativität gefragt. Das ist der härteste Teil der Aufgabe, aber es ist zwingend notwendig, um sich mit klugen Texten zu unterscheiden.
  • Floskeln und Phrasen sind unbedingt zu vermeiden.
  • Diskretionsmöglichkeiten für einen Bewerber muss man unbedingt anbieten, um eine vertrauliche Kontaktaufnahme zu ermöglichen. Nur jede zehnte Stellenanzeige hat heute eine anklickbare, persönliche E-Mail Adresse – die meisten sind völlig unpersönlich, die beliebtesten Varianten: „bewerbung@“, „karriere@“ und „jobs@“. Damit wird sich ohne Not sicher niemand von der Konkurrenz bewerben.

Zu beachten ist noch unbedingt:

Bei Stellenanzeigen gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Die Formulierungen sind daher so zu wählen, dass sich nicht als Verstoß interpretiert werden können. Problematisch können bereits Hinweise auf gewünschte Muttersprachlichkeit (Herkunft) oder Mobilität (Gesundheit) sein. Stellenbezeichnungen müssen geschlechtsneutral formuliert sein oder beide Geschlechter erwähnen. Die männliche Form ist hierbei kein geeigneter Oberbegriff. Im Zweifel sollten Unternehmen anwaltlichen Rat einholen, um juristische Schritte abgelehnter Bewerber auszuschließen.

Und dann Happy Recruiting!