Was ist denn Ihre größte Schwäche? … Und was man darauf antwortet

Christian Pape. Headhunter Blog

Christian Pape, CEO PAPE Consulting Group AG

Sie können kommen, sie werden kommen. Die „wirklich miesen“ Fragen, die Sie in einem Bewerbungsgespräch als Person „knacken“ und aus der Deckung locken sollen. Sie sollen etwas über sich preisgeben, sich öffnen, unter Stress kommen und zeigen, wie Sie dann reagieren: Wie clever, wie ehrlich sind Sie, wenn Fragen kommen, die etwas unangenehmer werden? Das will Ihr Gegenüber wissen und testen.

Die populärste und gleichzeitig dümmlichste Frage aller Fragen ist:

„Was ist denn Ihre größte Schwäche…?“

Jetzt hilft es nicht, wenn Sie wissen, dass es Tonnen von Antworten gibt, die man „googeln“ kann, um sich auf diese Frage vorzubereiten. Was erfährt dann derjenige, der fragt? Dass man besonders gut googeln kann?

Nun, die meisten gutgemeinten Ratschläge und die besten Antworten sind leider Bullshit Bingo und wenig durchdacht. Wenn Sie antworten: “ Ich bin manchmal zu perfektionistisch“ oder „Ich will oft zu viel“ … dann schlägt sich der Interviewer innerlich vor Lachen auf die Schenkel, weil er weiss, wo Sie das gelesen haben.

Das können Sie natürlich tun und werden damit das Gespräch auch nicht völlig crashen, aber so wirklich einfallsreich ist es nicht. Wir gehen daher die Antwort etwas kreativer an, denn es geht in einem Bewerbungsgespräch in erster Linie darum, positiv aufzufallen, dem Interviewer keinen Einheitsbrei zu servieren, sondern aufzuzeigen, dass Sie anders, einfallsreicher, pfiffiger und besser sind als alle anderen (Bewerber). Und Sie kennen ja vielleicht mein Statement dazu:

„Den Job bekommt nicht, wer am besten darauf passt, sondern derjenige, der weiss, wie man ihn bekommt!“

PAPE Jobsuche Bewerber wird interviewt

Dann analysieren wir die Frage doch etwas genauer. Worum geht es bei der Frage eigentlich? Was will der Interviewer wissen? Er/ sie will wissen, ob Sie in der Lage sind, Schwächen von sich preisgeben zu können, ohne rot zu werden. Ob Ihre „Schwäche“ noch im Rahmen ist, und das wichtigste: Ob Sie selbstkritisch daraus lernen können, um sich stetig zu verbessern!

Schwächen sind nicht tragisch, Sie machen uns menschlich und nahbar, solange Sie nicht preisgeben, dass Sie ein wahrer Choleriker sind, manchmal mit Tellern um sich werfen und sich nur manchmal im Griff haben.

Man will erfahren, ob Sie ein gutes Selbstbild haben, sich Ihrer Schwächen bewusst sind UND fähig sind, diese anzugehen und gegenzusteuern. Wenn Sie das alles in eine gute Antwort bringen können, dann sind Sie der Held.

Die perfekte Antwort geht man also so an: Authentisch bleiben, zeigen, dass man sich dahingehend sehr gut kennt und die Aussage mit einem Lernerfolg versehen. Wie geht das dann genau?

Statt zu sagen: “ Ich bin manchmal zu perfektionistisch“ sagen Sie lieber: “

„Es gibt Situationen, in denen ich kleineren Details viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt habe. Das hat dann schon mal dazu geführt, dass ich das Ziel aus den Augen verloren oder es nicht erreicht habe. Daran arbeite ich aber und merke, dass ich schon viel fokussierter geworden bin!“

Oder unser zweites Beispiel: „Ich will oft zu viel“, hier ist es besser, Sie sagen:

„Ab und zu muss ich mich bremsen und feststellen, dass man seinen eigenen Anspruch zügeln muss, wenn es darum geht, ergebnis-orientiert oder nach engen Zeitvorgaben zu arbeiten. Ich habe gelernt, die Zielerreichung vor meine eigenen Ansprüche zu stellen, das klappt nicht immer, aber ich achte sehr darauf, mich hier stetig zu verbessern.“

Sie sehen, es kommt darauf an, eine „nicht so schlimme Schwäche“ authentisch und menschlich zu erklären und gleichzeitig zu vermitteln, dass man das Problem erkannt hat und daran erfolgreich arbeitet.

Dann klappts auch mit dem Traumjob!

PS: Wenn Sie auf alle Fragen, die kommen können, vorbereitet sein wollen, dann holen Sie sich unser pdf: „50 Fragen und die besten Antworten!“.