WM 2018 Fail: Viele erfolgreiche Unternehmen machen auch „den Jogi“ und verschlafen die Trends

Nachlese zur verpatzten Weltmeisterschaft 2018 von Christian Pape

Meine Meinung! Kolumne im Headhunterblog. Von Christian Pape, CEO PAPE Consulting Group AG

Peinlich war unser Auftritt. Unerklärlich. Unfassbar. From Hero to Zero. Wie konnte das passieren, dass „unsere Mannschaft“, unsere Helden von 2014 plötzlich so versagen? Dieselben, die vor 4 Jahren in Brasilien Fussball-Weltmeister geworden sind, die mit einem 7:1 eine ganze Nation in tiefste Depression gestürzt haben … sind nun in der Vorrunde gegen Südkorea, Schweden und Mexiko vorgeführt und wie willenlose Rinder am Nasenring durch die Mange gezogen worden.

Wie konnte das passieren? Leider ist das nicht ganz neu. Es ist das Gift der Selbstzufriedenheit. Denn schauen wir auf die Wirtschaft und die Unternehmen, so haben auch viele „Key Player“ im Erfolg gravierende Fehler und Fehleinschätzungen vollzogen:

IBM hat den Trend zum Personal Computer verschlafen und jüngst wieder den Cloud-Trend gegen Amazon versemmelt. Das einstige US-Vorzeigeunternehmen General Electric ist vor kurzem aus dem Dow Jones geflogen, Apple hat Steve Jobs seinerzeit an die Luft gesetzt, H&M hat den Onlinetrend gegen Amazon und Zalando kräftig verpennt. Nokia verpasste den Smartphone-Zug und unsere gesamte deutsche Automobilindustrie ist dabei, nun dem eMobility Trend kräftig hinterher zu laufen. So werden Weltmarktführer abgestraft und mutieren zum Amuse Geul für die wache Konkurrenz und die neuen Helden.

Hat es nicht bei unserer Nationalmannschaft ähnliche Symptome gegeben? 

Ja, Jogi Löw hat entscheidende Fehler gemacht, kein Zweifel, sonst hätte es „die Mannschaft“ sicher über die Vorrunde hinaus geschafft. Er hatte selbst Arroganzanfälle, Spieler wie Marco Reus im Auftaktspiel erst einmal zu schonen, weil das Turnier „ja noch lang sei“. Er hat das Altbewährte dem Neuen und vermeintlich Unbekannten vorgezogen und auf vergangene Erfolge gesetzt.

Aber gerade im Erfolg macht man die Fehler, weil die Sinne vernebelt sind und die Euphorie über den Erfolg die Wahrnehmung trübt. So passiert es im Fussball genauso wie in Unternehmen. Der eine nennt es Arroganz, der andere einfach Blödheit. 1969 hat sich der 1. FC Nürnberg im Meisterkorso durch die Innenstadt gejubelt, im nächsten Jahr ist er abgestiegen. „Haste Sch.. am Fuß, dann haste Sch… am Fuß!“ – so weisheitete mal Andy Brehme für die Fussball-Ewigkeit 💩.

Dem Fluch des „Never change a winning Team“ sind schon ganz viele erlegen. Denn die anderen, die Konkurrenz, die Mitbewerber oder „Marktbegleiter“, die sind wach, hungrig und wollen nur eins: gewinnen und den da ganz vorne schlagen.

Für mich sind das genau die Botschaften, die ich in all meinen Karrieregesprächen immer wiederhole:  Setzen Sie NICHT automatisch und willenlos immer nur den Marktführer auf die Liste Ihrer idealen Arbeitgeber, weil die doch die besten, größten und erfolgreichsten sind. Machen Sie sich klar, dass man dort nur selten Neues lernt, sondern sich meist nur im Erfolg sonnt. Die wahren Helden werden dort geboren, wo man experimentiert, sich was zutraut, Potentiale entwickelt und kreativ ist, um ganz nach vorne zu kommen.

Amazon-Chef Jeff Bezos erinnert seine Mitarbeiter mit seiner „Day 1“-Philosophie immer wieder daran, so zu agieren, als sei man ein Start-up, das die Welt des Handels erst noch erobern muss. Auch das kann eine Lösung sein, jeden Tag so zu beginnen, als wäre der Erfolg nicht da. Dann kann einem Hochmut und Selbstzufriedenheit auch nichts anhaben.

Passen Sie also auf, dass Sie nicht auch den Jogi machen.