Work life Balance: Lizenz zum Faulenzen?

Work life Balance: Lizenz zum Faulenzen?

Isabel-Christin Ennenbach

VON: Isabel-Christin Ennenbach, Partner bei PAPE

Personalberater erleben immer öfter, dass Unternehmen, die den neuen Zeitgeist unserer Gesellschaft und auch der Arbeitswelt nicht erkannt haben, enorme Schwierigkeiten haben, Mitarbeiter zu rekrutieren und an sich zu binden. Ein regelmäßiger „Gehaltsscheck“, Kicker im Büro oder Pommes Schranke in der Kantine reichen einfach nicht mehr aus. Mitarbeiter fordern andere Lebens-und Arbeitskonzepte, die Unternehmen, die das nicht erkennen, werden abgehängt.

Was ist Work-Life-Balance?

Der Begriff Work-Life-Balance bezeichnet einen Idealzustand, in dem sich das Privatleben und der Arbeitsalltag in einem ausgeglichenen, harmonischen Einklang miteinander befinden. Dabei stehen „work“ für die Arbeit, „life“ für das Leben und „balance“ für das Gleichgewicht.

Vor dem Hintergrund der dynamischen Veränderung der Arbeits- und Lebenswelt, sollten Arbeit- und Privatleben intelligent miteinander verzahnt werden. Betriebliche Maßnahmen, die auf eine Work-Life-Balance abzielen, vereinen eine erfolgreiche Karriere mit den privaten, sozialen und gesundheitlichen Erfordernissen seitens der Mitarbeiter. Es geht also um die Ermöglichung einer erfüllenden Lebensführung, indem im Arbeitsleben genügend Raum dafür geschaffen wird.

Der zunehmende Leistungsdruck auf Arbeitnehmer sorgt dafür, dass sich Unternehmen seit ein paar Jahren verstärkt mit der Thematik Work-Life-Balance auseinandersetzen. Die Notwendigkeit hierfür muss zuerst einmal von der Führungsebene anerkannt werden. Nur wenn Leitenden Mitarbeiter erkennen, dass übermäßiger Zeit- und Leistungsdruck auf Dauer dem Betrieb schaden, kann eine Balance erreicht werden. Eine Work-Life-Balance lässt sich mit den richtigen Rahmenbedingungen erreichen, wie z.B. flexible Arbeitszeiten, Teilzeit, Homeoffice, Sabbaticals.
Warum ist Work-Life-Balance für Unternehmen so wichtig?

Es gibt gewichtige Gründe dafür, dass Unternehmen auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit größten Wert legen sollten. Das klassische Modell – er arbeitet, sie bleibt zuhause – hat ausgedient, was dazu führt, dass Arbeitnehmer zunehmend vor der Herausforderung stehen, das Familienleben mit dem Job unter einen Hut zu bringen. Schließlich müssen und wollen in vielen Beziehungen beide arbeiten und sich die Kinderbetreuung teilen. Aber nicht nur die Familienmodelle haben sich verändert, sondern auch ältere Mitarbeiter – insbesondere dann, wenn sie sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern möchten oder müssen.

Young Professionals suchen gezielt nach Arbeitgebern, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben anbieten, hier werden teilweise die Prioritäten höher gesetzt, als beim Gehalt oder einem Firmenwagen.

Arbeitgeber profitieren, wenn sie Work-Life-Balance nach den Vorstellungen ihrer Mitarbeiter ermöglichen, auch von deren höherer Identifikation mit dem Unternehmen. In Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Faktor, geht es doch darum, Talente zu gewinnen und sie möglichst lange ans Unternehmen zu binden. Stimmt das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit, arbeiten die Beschäftigten zudem nicht nur besser, sondern fehlen auch seltener.

Wer kann Work-Life-Balance nutzen?

PanthermediaHier sind nicht nur die Arbeitgeber gefragt, sondern auch die Mitarbeiter. Maßnahmen wie Gleitzeit, Sabbaticals oder Fitnessangebote können Unternehmen für einen Ausgleich zwischen Arbeits- und Privatleben fördern.
Doch liegt es auch an den Mitarbeitern, wie sie ihren Arbeitsalltag und ihr tägliches Leben gestalten. Dabei geht es darum, die Ursachen für den Stress zu finden und Räume zu schaffen, um die Freizeit ideal zu nutzen. Ob durch Sport, Meditation, Wellness oder dem Nachgehen von Hobbys – es gilt, die eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen und diese nicht hinter den beruflichen Erfolg anzustellen.
Welche Vorteile bringt eine gute Work-Life-Balance für die Personalsuche?
Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine gute Work-Life-Balance ermöglichen, binden nicht nur etablierte Angestellte stärker an sich, sondern positionieren sich auch vorteilhaft auf dem Arbeitsmarkt.Dies gilt in erster Linie für den Wettkampf um hochqualifizierte Talente. Im Gegensatz zu früheren Generationen legen die aktuellen Young Professionals einen merklich größeren Wert auf die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Sie suchen einerseits nach Erfüllung im Job, wollen sich andererseits aber auch außerhalb der Arbeitswelt verwirklichen. Unternehmen, die dieses Versprechen und leben, verschaffen sich im Wettstreit um die Talente einen wichtigen Vorteil. Ähnlich verhält es sich auch mit der Suche nach Top-Führungskräften, denn besonders in den oberen Ebenen des Managements ist der Arbeitsdruck groß. Gelingt es hier, einen Ausgleich zu schaffen, erhöht der Arbeitgeber seine Attraktivität.

Somit spielt auch in der Direktansprache von Kandidaten, dem sogenannten „Headhunting“ Work-Life-Balance eine immer größere Rolle- ein Mitarbeiter aus einem festen Anstellungsverhältnis wechselt nur aus guten Gründen den Job. Für den neuen Arbeitgeber im schlechtesten Fall, weil er bei seinem vorherigen Arbeitgeber unzufrieden war. Idealerweise wechselt der Kandidat, weil das neue Unternehmen neben der Position so reizvoll ist, dass der Kandidat sich kurzfristig mit dem Unternehmens-Geist identifizieren kann und dazu gehören möchte.