Warnung vor dem Headhunter!

Warnung vor dem Headhunter!

Von: Christian Pape


Wie, eine Personalberatung, ein Headhunter warnt vor sich selbst?
Wir, „Headhunter of The Year 2016“, stolz wie Bolle auf den gewonnenen Branchen-Oscar, seit 25 Jahren in unserem Markt, klopfen uns selbst in die Tonne?
Naja, nicht so ganz. Natürlich nicht. Wir wollen aber in unserem Blog auch kritische Worte finden, wenn wir den Anlaß dafür sehen.

Wir finden, es ist an der Zeit, ein wenig zu sensibilisieren über Headhunter und Co., denn zu viele treiben es leider inzwischen zu oft zu bunt in unserer Branche, und das geht zu Lasten der angesprochenen Kandidaten, die ohne ihr eigenes Wissen nicht selten wie Sauerbier im Jobmarkt angeboten werden. Und es geht zu Lasten von suchenden Firmen, die sich gutgläubig zu einem „guten Preis“ auf der Gewinnerseite sehen, gelockt mit dem vollmundigen Angebot einer Beratung, die natürlich der absolute Insider ist mit einem Netzwerk, das den Globus weit überspannt.

Erst nach Monaten zeigt sich dann, dass im besten Fall nur heisse Luft bewegt wurde, im worst case aber Rufschädigung, Mißerfolg und verlorenes Geld die klare Recruitingluft trüben und man bei der Personalsuche für die Schlüsselposition wieder bei Null steht.

Kandidaten, die sich beruflich verändern wollen, sind zudem überfordert, wie sie es bei der Vielfalt an Beratungen am sinnvollsten angehen sollen, um ihre Karriere zu pushen. Sie gehen die Gefahr ein, nur ihren Ruf im Arbeitsmarkt schädigen.

Wie kommt das, wo liegen die Ursachen? Und wo ist die Lösung?

Überall wo ein Bedarf erkennbar ist, wollen viele an der Situation verdienen. Das ist zunächst natürlich legitim. Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt fast Vollbeschäftigung, die Firmen finden nicht ihre Mitarbeiter auf den üblichen, eigenen Wegen und müssen zu neuen Ufern gehen. Sie suchen externe Hilfe und möglichst auch frische Ideen, denn die bestehenden Methoden und Partner bringen offenkundig nicht mehr den gewünschten Erfolg.

Sie suchen daher nach, ja nach was: Headhunter, Personalberater, Executive Search Berater, Personalvermittler, Personaldienstleister, Active Sourcer, Personalboutiquen, Erfolg, Mandat, Anzeige …?

Da geht es schon los. Alles das Gleiche? Egal, wen ich da nehme, Hauptsache der Preis stimmt und die Krawatte sitzt?
Leider nein, denn die Vielfalt ist so groß wie es der Name Personalberatung zulässt. Darunter fällt alles, was irgendwie mit „Personal“ und „Beratung“ zusammen hängt: Das kann die Personalsuche sein, es umfasst aber auch die Begleitung von Findungsprozessen, die Gestaltung und Durchführung von Beurteilungsmaßnahmen, Assessments, Tests, die Personalentwicklung, Vergütungsberatung, das Personalmarketing, die Begleitung in der Organisationsentwicklung, Employer Branding oder beliebige strategische und konzeptionelle Fragestellungen in der Personalarbeit.
Meist sieht man aber den Personalberater als Personalsucher im Auftrag eines Kunden. Nur: Wie er sucht, das ist ihm selbst überlassen und dafür hat jeder sein eigenes Rezept, seine eigene Vorgehensweise und hinter diesen Vorhang lässt sich niemand gerne blicken, statt dessen wird lieber mit den üblichen Plattitüden argumentiert.

Das Problem  beginnt bei der Definition der Begriffe, wie Headhunting, Active Sourcing, Executive Search, Personalvermittlung, denn es gibt keine klaren, allgemein gültigen Definitionen und Vorgehensweisen, keine ISO-Normen.
Jeder kann es sein und machen wie er will, daher sind Personalberater – man mag es uns verzeihen – ein „kunterbuntes Völkchen“, vogelfrei und ohne jegliche Hemmungen, das zu tun, was man für richtig hält.
Wir wollen deshalb davor warnen, zu sehr in Erfurcht zu erstarren, wenn ein „Headhunter“ anruft oder jemand über XING angefunkt wird mit der Signatur des selbst ernannten Top-Beraters – in der heutigen Zeit kann das jeder sein, bis hin zu einer Person, die in ihrem Wohnzimmer sitzt, Lebensläufe sammelt und diese dann bei unzähligen Firmen über den Ticker laufen lässt.

Ein anständiger Berater in unserem Empfinden treibt sein Unwesen nicht in XING oder LinkedIn und versendet dort Massenmails. Das kann jeder und hat mit anspruchsvoller Suche und individueller Karriereberatung, ob ein Wechsel Sinn macht, NICHTS zu tun.

Die Qualität einer Personalberatung zeigt sich nicht, was jemand über sich selbst sagt, sondern was andere für Erfahrungen gemacht haben. Es zählen Dinge wie die Zeit, wie lange jemand bereits in dem Beruf und am Markt tätig ist, es zählen Referenzen, Meinungen und Bewertungen von anderen und nachweisbare Erfolgsgeschichten. Das Thema ist zu sensibel, als das man hier Versprechungen erliegen darf.

Als Auftraggeber prüfen Sie daher nicht nur den Preis, sondern entscheiden Sie danach, wer Ihrer Meinung nach am Besten Ihr Unternehmen im Arbeitsmarkt vertritt, wer am Besten in der Lage sein wird, hochqualifizierte Kandidaten von der Wertigkeit eines Wechsels zu Ihnen zu überzeugen.

Als Kandidat: Zügeln Sie Ihre Euphorie, wenn ein „Headhunter“ Sie kontaktiert und bleiben Sie eher kritisch. Bleiben Sie immer Herr Ihrer Unterlagen und verbieten Sie jedem, damit ohne Ihr Einverständnis auf die Reise zu gehen. Prüfgen Sie Referenzen, fragen Sie nach eindeutigen, exklusiven Suchmandaten und glauben Sie nicht jeder Serien-Kontakt-Mail, die Sie erhalten. Eine hochwertige Pesonalberatung tut das nicht.