Der beste Arbeitgeber der Welt 2015 – Employer Branding de Luxe.

München, 26.6.2015, Kolumne von Christian Pape

Jedes Jahr werden Studenten befragt, wo sie denn am Liebsten arbeiten möchten, wer denn ihr „Traumarbeitgeber“ ist. Die Antwort kommt unisono und ist eigentlich wenig verwunderlich und auch dieses Jahr ist es so wie immer. Langeweile auf den vordersten Plätzen. Die letzte Umfrage in 2015 ist gerade erschienen und kommt vom Beratungsunternehmen „Universum“ und der „WiWo“ Wirtschaftswoche und auch hier heisst der Champion wenig überraschend aber mit viel TamTam angekündigt:

Google!

Ach! … möchte man sagen. Wirklich? Alle lieben Google, zumindest als Arbeitgeber ist das Unternehmen Top of the Top, fragt man Datenschützer, dann sieht das leider völlig anders aus. Aber ist doch egal, komm an mein Herz!

Warum ist diese Liebe so groß, die Sehnsucht bis zur völligen willenlosen Hingabe so unendlich ? WTF hat Google, was das Unternehmen so konkurrenzlos begehrenswert macht?

Was macht Google so sexy?

Dazu zunächst Grundsätzliches. Drei Dinge sind ausschlaggebend für die Wahl seines zukünftigen Arbeitgebers:

Great Brand – Great Job – Great Benefit

Heisst übersetzt: 1. Bekannte Marke –  2. Interessanter Job und ein kreatives und dynamisches Arbeitsumfeld – 3. Hohes Einkommen und Weiterentwicklung

Und da man als Jobsucher meist wenig authentisches erfährt auf den Karriereseiten – und man auch meist zu faul ist, gründlich nach wirklich guten Arbeitgeber-Perlen zu fahnden – nimmt man, was man kennt, von dem man nur Gutes hört und mit dem man sich auf Anhieb identifizieren kann.


Christian Pape, Firmengründer und Top Headhunter der PAPE Consulting Group AG schreibt in seiner Kolumne im „Headhunterblog“ regelmäßig über Dinge aus seinem Berufsalltag, die ihm auffallen.

Nicht verwunderlich also, dass das Wunschalphabet der Top-Arbeitgeber gleichermaßen und 1:1 das Marken-Einmaleins widerspiegelt. Auf den vordersten Plätzen liegen: Google, Apple, Microsoft, Facebook, BMW, Daimler und so weiter. Eigentlich braucht es dafür keine Umfrage, man nimmt einfach dieses Ranking, würfelt es ein wenig durcheinander und schickt es an die Medien, die das gerne und dankend als brandneue Erkenntnis publizieren.

Jedes Land hat natürlich auch seine nationalen Arbeitgeber-Helden und Lieblinge. In Deutschland sind das ganz klar die Autobauer, in Frankreich die L’Oréal Group und LVMH mit Louis Vuitton und in den USA sind es unangefochten die Unternehmen aus dem Silicon Valley wie Google, Apple und Facebook und die großen Banken, Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfer wie PricewaterhouseCoopers, Ernst & Young und Goldman Sachs.

Aber ein Unternehmen strahlt eben noch ein wenig mehr in allen Ländern, führt bei allen befragten Studienrichtungen und allen Umfragen.

Der Konzern hat einfach alles, was sich ein Jobsucher wünscht: Da lockt ein sattes Einkommen von 80.000 Euro aufwärts für Ingenieurs-Einsteiger bis hin zu schon sektenmäßig anmutenden Lobeshymnen auf der Google-Karriere-Seite, die auch den letzten Zweifler überzeugen. Hier werden alle  „Problemfelder“ bearbeitet, wie Frauen, Mütter, Umweltschutz, Work-Life-Balance und anderes. Und so wird geschrieben:
„Wir kümmern uns um dich. Um deine Gesundheit und dein körperliches, seelisches, soziales und finanzielles Wohl!“
Google ist also auch hier Top in Sachen Eigenwerbung, was wenig verwundert, schließlich ist das auch das Kerngeschäft, mit dem man seine Brötchen verdient. Und US-Firmen können das sowieso einfach genial gut. Da wirken die deutschen Unternehmen nach wie vor schüchtern und hölzern und sollten in dieser Hinsicht mal einen Blick mehr über den Teich wagen…

Build cool stuff – Sell cool stuff– Do cool stuff.
Punkt.

So spricht Google. Egal, dass man eigentlich nichts zu bauen hat bei Google. Das sitzt! Besser kann man es nicht beschreiben, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken und in bester Werbemanier Employer Branding zu betreiben, also Werbung als attraktivster Arbeitgeber auf dem Planeten. Gruppenkuscheln für Fortgeschrittene! Und das wirkt und kommt an. Da verwundert es auch wenig, dass Larry Page, seines Zeichens CEO von Google, intern von den eigenen Mitarbeitern zum beliebtesten Manager 2015 gewählt wurde (!). In Deutschland, Land der Nörgler und Kritiker der „Großkopferten“  – undenkbar.

Was kann man als personal-suchendes Unternehmen lernen von Google?

Die Latte liegt hoch, das wird beim Lesen der Google-Karriereseiten schnell klar. Und wer es geschafft hat, der gehört zur Elite, ist ein Erleuchteter, ein Glückspilz, ein „Noogler“, denn so werden die Einsteiger genannt. Bachelor-Absolventen werden selten eingestellt, sind Abschaum.
Wer es bei Google schaffen will, der sollte schon mindestens ein hochdekoriertes Diplom oder einen Masterabschluss und auch entsprechende Berufserfahrung mitbringen, ein Doktortitel wird begrüßt. Initiativbewerbungen sind gänzlich erfolglos, aber das ist auch bei uns in der Regel nicht anders, das predige ich ja seit Jahren. Bei Google ist das schlichtweg „BewerberSPAM“, denn wenn man so viele Initiativ-Bewerbungen aus der ganzen Welt erhält, müsste man Heerscharen beschäftigen, nur um diese zu bearbeiten. Also ignoriert man sie einfach.

Das Unternehmen akzeptiert nur Bewerbungen, die sich auf konkrete Ausschreibungen beziehen. Alle anderen werden von Google selbst gesucht. Der bevorzugte Noogler ist nämlich der, der gerade gar keinen Job sucht. Der Personalchef von Google, Laszlo Bock, charakterisiert diese Bewerber, die ja im eigentlichen Sinne gar keine sind, als von den Kollegen geschätzt, anständig bezahlt und glücklich.

Solche Menschen braucht Google und wirbt sie gezielt über die Ansprache in Internet-Plattformen ab. „Active Sourcing“ heißt diese Methode, die zwar auch in Deutschland praktiziert wird, aber nur dann funktioniert, wenn der Brand entsprechend verlockend ist. Insofern hat Google natürlich leicht reden, denn für jeden ist es eine Auszeichnung, von Google direkt angesprochen zu werden.

Vieles also macht man perfekt, um neue Mitarbeiter zu werben, das meiste aber ist dem alles überstrahlenden Brand zu verdanken. Insofern bestätigen sich die Ergebnisse und der Trend auch unserer Recruiting-Studien, die Gewinner und Verlierer bei den suchenden Unternehmen sehen, im sich immer weiter verschärfenden Kampf um die Talente. Gewinner sind die großen Brands und Verlierer sind die Unternehmen, die eher die „Hidden Champions“ sind, Standortnachteile haben oder einfach alles falsch machen, wenn sie um neue Mitarbeiter buhlen. Da lässt sich einiges abschauen von den Unternehmen, die diese Eigenwerbung perfekt beherrschen, insbesondere kann man da schon sehnsüchtig, wenn auch etwas schmunzelnd (…) nach Westen blicken.
Denn ob Noogler oder Googler oder sonstwer: Werbung ist alles, auch als Arbeitgeber.