„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf!“ … „Ja, war Bombe!“

Meine Meinung! Christian Pape, CEO

„Mut zur Lücke“ war schon im Studium DER Spruch, wenn der Klausurstoff nach eigenem Empfinden das menschlich Erfassbare weit überschritt und alle persönlichen Belastungsgrenzen sprengte.

Aber wie sieht es aus, wenn die Lücke im Lebenslauf nun wie eine offene Wunde in Ihrem Lebenslauf klafft und genau da der Personaler mit einem überlegenen Lächeln seinen Psycho-Bohrer ansetzt und fragt:

„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf, können Sie uns das näher erklären?“

Tja, nun ist es passiert. Genau das wollten Sie vermeiden. Was antworten Sie nun darauf?

„Ja, war Bombe!“

Peinliche Auszeiten gibt es genug: Psychiatrische Behandlung, Suchtklinikaufenthalt, Pleite in der Selbständigkeit nach 2 Monaten, Vampir Lifting mit Komplikationen, Arbeitslosigkeit, ein Hulakurs, der länger dauerte als gedacht? Soll oder muss man das alles der Recruiting-Welt erzählen?

Auszeit im Lebenslauf

Was muss man eigentlich sagen und was nicht?

Zunächst möchte ich Ihnen die Angst nehmen, diese sogenannten „Lücken“ ehrlich zu erklären. Sie sind nicht so schlimm und man muss dafür kein schlechtes Gewissen haben.

Wichtig ist, dass es einen guten Grund für die schöpferische Auszeit gibt, es wichtig für Sie oder ihr Umfeld war und es nachvollziehbar ist. Lücken sind ein Teil von uns, sie machen uns erst sympathisch und niemand ist perfekt.

Der Homo Perfectus, der Superman unter den Bewerbern, der komplett ohne Ecken und Kanten kommt, der keine Schwächen hat und auf jede Frage eine fantastische Antwort hat … der macht alle misstrauisch, ist unsympathisch und den will nun wirklich keiner in seinem Team haben.

Der Wind dreht sich sogar, Personaler haken da gerne ein und fragen, warum Sie nach der Schule KEINE Auszeit genommen haben, kein Sabbatical, kein Work und Travel gemacht haben? Haben Sie sich nicht getraut? Fehlt Ihnen der Mumm, sind Sie ein Kleingeist, haben Sie kein Interesse an fremden Kulturen?

Alles, was weniger als 3 Monate dauerte, müssen Sie formal nicht erklären, aber wie sieht das denn aus, wenn Sie die Aussage verweigern? Nichts ohne Ihren Anwalt? Nein, Sie sollten immer Antworten parat haben und dabei nicht lügen. Das macht den Personaler erst recht wuschig und lässt ihn an Ihrer Authentizität zweifeln. Ist der Grund für Ihre Auszeit aber nun wirklich schwer vermittelbar, dann dürfen Sie kreative Formulierungen verwenden, die im Kern aber nicht falsch oder unehrlich sein dürfen.

Hintergründe Ihrer „Lücke“ zu erklären, das beginnt in jedem Fall schon bei der schriftlichen Bewerbung, nicht erst beim Vorstellungsgespräch, denn eventuell kommt es genau deswegen garnicht erst dazu.

Mit der richtigen Formulierung sollten Sie dann die Aufmerksamkeit des Lesers oder Interviewers auf Eigenschaften lenken, die er hören will, z. B. auf Engagement, Weiterbildung, Soziales, Wissensdurst, Inititiative, usw. Wenn man sich z. B. während einer längeren Arbeitslosigkeit um die kranke Großmutter gekümmert hat, dann sollte man das unbedingt erwähnen. Auch Kellnerjobs muss man nicht verschweigen, sondern kann sie unter „Berufserfahrung“ auflisten. Das gilt genauso für alle Aktivitäten in den Bereichen Weiterbildung und Jobsuche, die man während der Arbeitslosigkeit geleistet hat, und seien dies auch nur zwei Stunden die Woche. So genau braucht der Personaler das nicht zu wissen.

Man muss sich über eine längere Arbeitslosigkeit auch nicht grämen, es ist auch kein Nachteil, wenn man sich bei einer beruflichen Entscheidung Zeit nimmt, denn es muss ja für beide Seiten passen. Sagen Sie also ruhig, dass Sie bei der Jobsuche sehr sorgfältig prüfen und das einfach alles seine Zeit braucht, denn es ist ja eine „Lebensentscheidung“. Niemand wird ihnen das absprechen.

Lücken wollen verkauft werden. From Zero To Hero!

Mut zur Lücke…?

Lücken nach dem Studium lassen sich immer sehr gut erklären, denn eine berufliche Orientierungsphase wird dem Studenten nach erfolgreichem Abschluss immer zugestanden, gerade in der heutigen Zeit, wo die lebenslange Anstellung in einer Firma, unwiderruflich vorbei ist. So ist ein Sabbatical nach dem Studium durchaus üblich und wird oftmals sogar als notwendig empfunden, um sich beruflich zu orientieren, sich selbst darüber klar zu werden, was am Besten passt und was man am Besten kann. Sich also Zeit für diesen Klärungsprozess zu nehmen, was man im Leben wirklich will und wie sich diese Ziele am besten erreichen lassen, wird meist als höchst respektabel und sogar mutig  zur Kenntnis genommen.

Es gilt also, jede „Auszeit“ möglichst so zu formulieren, dass all diese Anstrengungen, die man zu diesem Ziel hin unternommen hast, besonders betont werden können. Auf gar keinen Fall darf beim Arbeitgeber der Eindruck aufkommen, man hätte lediglich arbeits- und willenlos auf der faulen Haut gelegen und Playstation gespielt.

Denn unabhängig davon, ob er Sie dann für faul oder depressiv gelten, man wird Sie für wenig belastbar und damit nicht geeignet für den Job  halten.

Sie dürfen nicht lügen, aber Sie dürfen clever formulieren. Und der Aufenthalt in der Betty-Ford-Klinik kann auch umschrieben werden mit einer „Auszeit aus familiären und gesundheitlichen Gründen“. In der Regel wird aus Pietätsgründen nicht näher nachgefragt und sie brauchen dann auch nicht mehr detailliert darauf antworten.

Und sollte Ihre Geschäftsidee schon nach 2 Monaten über die Wupper gegangen sein – ist auch kein Problem, das man verschweigen muss – denn Pleiten machen einen erst Recht stark und nur Fehler führen zum Nachdenken und zu Veränderungen.

Ehrlich zu sein währt also immer am längsten, und wer offen mit seinen „Lücken“ umgeht, der wird immer in puncto Authentizität und Integrität punkten, also mit den Softskills, die letztendlich für das Arbeitsleben und in den Augen der Personaler genauso wichtig sind wie die aus Arbeitsleistung, Fachwissen und Qualifikation bestehenden harten Fakten.

Es geht nie um Misserfolge. Es geht darum, wie man mit ihnen umgeht.

Happy Sabbatical!