Business Denglisch für Runaways, verstehen Sie mich noch?

„Mir fehlt der added value“ … und andere Katastrophen, Beitrag von Christian Pape

Meine Meinung! Kolumne im Headhunterblog. Von Christian Pape, CEO PAPE Consulting Group AG

You are on the woodway„, „Everything is in butter“ oder „Tell me nothing from the horse“ oder enjoyen Sie auch gerade ihr life in full trains? … das ist ja noch lustig.

Und im Alltag der Kids und mit Verzögerung dann auch in der Erwachsenenwelt ist man nur up-to-date, wenn man gechilled ist, man zum Glück nicht gebashed wurde, man den swag hat oder einen candystorm (besser als shitstorm) auf Insta gekriegt hat.

Und im Heidi Klum’schen Kosmos ist die „attitude beim walk diesmal sehr impressive“ gewesen. 

Mag sein, dass es in einigen Branchen einfach dazugehört, wenn man dazugehören will. 

Und … ja, natürlich auch in unserer Personalberaterbranche sind Anglizismen nicht wegzudenken: Da werden Recruiter „gebrieft“ über Chatbots, Candidate Experience, Diversity, Employer Branding, Active Sourcing, den war-of-talents und Mobile Recruiting.

Aber nimmt es nicht langsam überhand, oder ist Deutsch ohne Englisch nicht mehr zu verstehen?

Gut: Einige Wörter gibt es im Deutschen nicht so treffend und haben eine Lücke geschlossen, wie zum Beispiel „brainstormen“ und  ein „meeting“ haben klingt auch schöner als sich einfach nur zu treffen. 

Französisch muss schließlich auch herhalten, wenn der Gourmet in der Runde einen raushauen will und sagt, dass das Fleisch „à point“ ist und staunende Gesichter dabei zurück lässt. In der Gastronomie wird mehr gefrenchelt als deutsch gesprochen, da ist es nicht die öde Brühe, sondern eine Consommé und Mamas Häppchen sind Canapés. Also ist es schon immer ein „Branchenjargon“, mit dem man bewusst zeigt, dass man dazu gehört.

Alles ist gut, wenn man es nicht übertreibt. Gänzlich peinlich wird es nur, wenn man die Ausdrücke falsch benutzt. Ein Undertaker ist nunmal kein Unternehmer, sondern ein Bestatter. Zu oft lese ich das in Bewerbungen, wenn der Verfasser rausstellen will, wie sehr er die ideale Führungskraft für diesen Job ist. Den Lacher hat er exklusiv.

Warum  denglischen wir inzwischen so hemmungslos? Entweder will man zeigen, dass man es drauf hat, dass man dazu gehört oder man Dinge und insbesondere auch Kritik lockerer rüberbringen will, als sie ist. 

Jeder will ein anerkannter Teil einer Gruppe sein und ist nur „drin“, wenn er die gleiche Sprache spricht. Das ist unser Urbedürfnis, das werden wir uns nicht abgewöhnen können. Denn wir wollen geliebt und respektiert werden und immer Gruppenzugehörigkeit haben.

Ich habe das ausführlich in meinem Buch “Lust auf den Traumjob“ hinterfragt und festgestellt, dass uns genau dieses Rudelverhalten zu oft im Weg steht und wie schwierig es ist, weg von der Gruppe zu kommen, hin zu seinem eigentlichen Traumjobziel. Ziehen Sie sich im Schalkeblock mal ein gelbes Trikot über, dann wissen Sie, was ich meine. Da müssen Zwänge überwunden werden, und das macht es sehr schwer.

Es wird uns ja schon in der Ausbildung beigebracht. Insbesondere Branchen wie IT, Consulting, Marketing und Finance sind durchsetzt von englischen Begriffen, die man schon im Studium braucht.

Aber sind wir doch ehrlich: Das übertriebene Denglisch nervt nur noch.

Plattitüden im Geschäftsalltag sind weder schön noch klingen sie gut, sie sind eher peinlich. Meist sollen sie Klartext beschönigen – oder Unwissenheit überdecken.

Ein paar Beispiele gefällig? Wie gut ist Ihr denglisch? Kommen Sie zurecht, wenn im Meeting gesagt wird:

  • Beim call mit dem CTO war der output, dass die dotted line zum CFO zu weak ist
  • Wie changeanfällig ist denn das outcome?
  • Es reicht nicht mehr, nur zu leapfroggen
  • Der innovation lag ist zu groß
  • Der Kollege muss asap aufgeskilled werden
  • Mir fehlt der added value
  • Er muss seine work-life-balance noch optimizen
  • Wir sind dabei, venture capital zu raisen, aber das ist noch confidential
  • Wir brauchen einen Change-Request im nächsten Release
  • Er hat sich jetzt committed, das zu teasern

Für Übersetzungen fragen Sie bitte Ihren Apotheker oder gerne auch uns.

Noch desaströser finden sich denglisch-Formulierungen in Bewerbungen. In 2011 habe ich mal gegenüber der Süddeutschen gesagt:„80% aller Lebensläufe sind Schrott!“

Leider hat sich nicht viel daran geändert.

In ein Bewerbungsschreiben gehört denglisch nicht, oder wenn, dann nur sehr dosiert, es sei denn, die Branche ist sowieso überfrachtet davon, wie es zum Beispiel im Consulting-Umfeld der Fall ist. Aber auch dann bitte nur, wenn Sie genau wissen, was sie tun.

Leider zeigt auch hier die Praxis, dem ist nicht so. 

Dazu gehört es insbesondere, englische Wörter völlig falsch zu benutzen. Die meisten wissen inzwischen, dass es das „Handy“ nur im Deutschen gibt und auch der „Beamer“ hat eine völlig andere Bedeutung. Peinlich wird es, wenn man die Wörter falsch einsetzt:

  • Gymnasium ist eine Turnhalle und keine Schule
  • Chef ist ein Koch und nicht der Boss
  • Note sind Notizen, aber keine Noten
  • engaged heisst verlobt und nicht, besonders engagiert zu sein (commited wäre das richtige Wort, wenn sie schon denglischen wollen)

Also, lassen Sie es, bevor der Personaler Ihre Bewerbung mit einem leisen Lächeln ins „OFF“ transportiert. Sonst klappt es nicht mit dem Traumjob!

Und lassen sie uns alle einfach mal öfter Deutsch sprechen… wir haben eine so schöne Sprache!